Die universelle Sprache der Farben und ihr Mysterium

Licht und Farbe sind untrennbar miteinander verbunden. Ohne Licht könnten wir Farben nicht wahrnehmen. In unserer Umwelt haben wir es in erster Linie mit farbigen Gegenständen und weniger mit farbigem Licht zu tun. Da ein Gegenstand, z.B. eine rote Tomate, kein Licht ausstrahlt wie die Sonne oder eine andere Lichtquelle, ist zu fragen, warum wir sie als rot wahrnehmen. Die Tomate oder jeder andere Körper ist für das menschliche Auge nur sichtbar, wenn Licht auf ihn fällt. Anstatt selber Lichtstrahlung auszusenden, reflektieren solche Körper die Strahlen, die von einer Lichtquelle ausgehen. Allerdings reflektieren sie nicht das gesamte Licht, sondern ein Teil der Farben wird absorbiert. Für das menschliche Auge sichtbares Licht besteht demnach aus verschiedenen Farbanteilen. 

Farben sind allgegenwärtig und zum Leben gehörend, wie das Licht selbst, dass uns mit dem Leben verbindet. 

 

Licht ist nur ein anderes Wort für Leben. Leben und Licht stehen also in einem unmittelbaren Zusammenhang, so wie Licht und Farbe. Wenn wir Farben betrachten, betrachten wir die „Kinder“ des Lichtes und damit seine lebendige Ausdrucksform. Esoterisch betrachtet ist Farbe die Symbolsprache des Lichts und die metaphorische Offenbarung des Schöpfungsgeheimnisses.

 

In allen Kulturen dieser Welt hatten und haben Farben viel mehr Bedeutungen, als einfach nur bunt zu sein. Man hat sie poetisch beschrieben und wissenschaftlich erforscht. Sie durchstrahlen unsere Tage ebenso, wie sie uns in die Träume hinein begleiten. Farben sind also lebendige Kräfte und sprechen in einer universellen Sprache - geheimnisvoll und mystisch.

 

Als Kinder des Lichtes wirken Farben auch heilsam auf Körper und Gemüt und wer die geheimnisvolle Sprache verstehen lernt, der wird zu einem guten Gärtner in seinen Seelengarten.

 

Wie kamen nun die Farben in die Welt? 

 

Allem zuvor herrschte kosmische Dunkelheit, ein Pralaya liegt als ewiger Nährboden, als Leere der künftigen Fülle zu Grunde. Und so wie vor dem unvermeintlichen Urknall die Raumzeit in ihrer Inwendigkeit ruht, so schläft vor der Hellwerdung alle Welt in einem namenlosen Dunkel ehe das Licht triumphierte.

 

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ so geschrieben in Mose 1:1, und er sprach das entscheidende Machtwort: „Es werde Licht!“ Alsdann schied er Licht von Finsternis und nannte sie Tag und Nacht. 

 

Die Licht- Werdung markiert somit den Auftakt zur Schöpfung. Das Licht steht somit am Anbeginn von allem und ist Grundlage von allem. Alles kommt aus dem Licht und kehrt zu ihm zurück, denn Licht ist wie der zeitlose Nachklang der grandiosen Selbsthingabe Gottes an seine Schöpfung.

 

Weltweit und durch alle Zeitepochen hindurch war und ist das Licht Symbol der Göttlichkeit und des sich verströmenden Gottesgeistes. 

 

Die erste Polarität - Licht als aktive und Dunkelheit als passive Energie im Wechselspiel - ist schließlich von grundlegender Bedeutung für alles Leben im kosmischen Geschehen und es ist das rhythmische Urmaß allen Werdens und Vergehens. Die Helle des Tages und die Finsternis der Nacht bilden also die Ausgangssituation für alles Leben, für alles Werden und Vergehen.

 

Dieser Kontrast von Hell-Dunkel ist auch die Grundlage der Farbordnung. Bei Goethe entsteht aus dem Zusammenspiel solcher  kontrastierender Beziehungen zwischen der Seinseinheit Licht und seinem Wiederpart, dem Dunkel, sowie der als trübe unter sie gebrachte Stofflichkeit das ganze Spektrum der Farben.

 

Das reine Licht der Sonne birgt in sich die ganze Fülle der bunten Welt, das ganze Universum der Farben. Es verkörpert wahrhaftig  jenes altgriechische „hen kai pan“, das Heraklit mit den Worten deutete: „Aus allem Eins und aus Einem Alles.“

 

Also sehen wir das Licht als Gleichnis des Einen, das zum Vielen wird. 

 

Aus Amitâbha – ohne Farbe oder der weiße Glanz – sind die sieben verschiedenen Farben des Prismas geboren worden. (aus E. S. Instructions von HP. Blavatsky)

Diese Einheit des Lichtes steht also am Beginn der Schöpfung und damit gerade an jener Schwelle, wo aus dem Einen das Viele wird und mit der Brechung spaltet sich das Licht in die polare Welt hinein auf. Mit diesem Eintritt in die Welt der Gegensätze ist zugleich die Notwendigkeit des Gegenpols mitgegeben, der in Gestalt der Dunkelheit sich sogleich dem Licht entgegenstellt. Gerade dieser dramatische Akt der Lichtbrechung und Aufspaltung spendet uns zugleich das kostbarste Geschenk - die Farbigkeit, die sich nun im Wechsel der Gegenpole entfaltet. So werden die Farben zur Sprache des Lichts und damit zur Sprache der Schöpfung überhaupt!

 

„Ich Bin das Licht der Welt.“

Joh. 8/12

 

Das Licht weißt uns den Weg in der Welt und wir hoffen „… das uns bald ein Licht aufgeht.“ Werden wir in diese Welt geboren so „erblicken wir das Licht der Welt“ und wenn wir sterben gehen für uns auf Erden „die Lichter aus.

 

„Das Licht der Sonne,

auch wenn es auf eine Kloake fällt,

 bleibt stets makellos rein.“

Marc Aurel

 

Alle Farben gehen also aus dem einen reinen Licht hervor, darum können wir getrost sagen: Farben haben etwas mystisch-göttliches an sich. 

 

Farben werden erst für uns erlebbar, wenn die Lichthelle von Stofflichkeit gebrochen wird. Dann  erst, wenn Lichtstrahlen bei der Ausbreitung durch die materiellen Dunkelkräfte abgelenkt und aufgefächert werden. 

 

Schon Aristoteles behauptete in seiner „Harmonie der Farbe“, Farbe sei das Zusammenspiel von Licht und Dunkelheit.

 

 

 Rudolf Steiner formulierte :

„Engel haben Licht in die Dunkelheit geboren oder Dunkelheit ins Licht. Sie wurden die Mittler und Botschafter zwischen Licht und Dunkelheit. Und was zuvor nur im Licht erschien und seinen Schatten, die luftige Dunkelheit hierher hervorbrachte, explodierte nun in Farbe und wechselte von einer zur anderen, sodass das Licht in der Dunkelheit erschien und die Dunkelheit im Licht … {die Engel} zauberten Farben aus Licht und Dunkelheit hervor … {und stehen} hinter der kosmischen Bedeutsamkeit der Explosion von Farben.

 

 

Johann Wolfgang von Goethe sagte: „Die Farben sind Taten des Lichts.“ So erzielte Goethe durch seine persönliche Hingabe an die Beobachtung der Natur sein Verständnis für Farben. Für ihn ist „Licht und seine Abwesenheit zur Erzeugung von Farbe notwendig. Und so schrieb er: „… dem Licht am nächsten erschien eine Farbe, die wir Gelb nennen; eine andere taucht nah an der Dunkelheit auf, und wir nennen sie Blau.“ 

 

Licht und Farbe weisen uns den Weg in die Zwischenwelten. Aus den Berichten von Menschen die Nahtod-Erfahrung machten, wissen wir über „Lichtbrücken“ und „Lichttunnel“ die uns im Moment des Todes regelrecht anziehen, ebenso ist manchmal die Rede von zarten Farbschleiern in Verbindung mit bestimmten Gefühlen. 

 

Bereits im Tibetischen Buddhismus wird darauf hingewiesen, dass unser Bewusstsein Farbe unabhängig vom physischen Körper wahrnehmen kann. Im Bardo Thödröl, dem Tibetischen Totenbuch - Bardo bedeutet Zwischenzustand - geht es um Farben und Licht, die in der Phase des Sterbens und nach dem Tod wahrgenommen werden. Ein Meister oder spiritueller Freund liest  aus dem Bardo Thödröl und hilft dadurch der scheidenden Seele bei ihrer Jenseits-Reise. Beim Verlassen des Körpers eröffnet sich eine "Lücke", es erscheint zuerst das so genannte Klare Licht oder die Grund-Lichtheit, was als die natürliche Strahlung der Weisheit unserer essentiellen Natur unseres Geistes erklärt wird. Sollte der Sterbende im Moment seines Todes diese Grund-Lichtheit nicht erkannt haben, dann geht er in den nächsten Bardo über, den lichtvollen Bardo der Dharmata. Plötzlich wird er sich einer fließenden, vibrierenden Welt von Klang, Licht und Farbe bewusst. 

 

Es (die Seele) zeigt sich dem Bewusstsein selbst mit jeder Farbe, jeder Farbschattierung und jedem Farbton, die bestimmte Eigenschaften und Neigungen seiner Seele repräsentieren. Die Farben geben Auskunft und haben Einfluss auf zukünftige Inkarnationen und natürlich auch darauf, irgendwann einmal vom Rad des Todes und der Wiedergeburt befreit zu werden. In „The Dark Night of the Soul“ - Die dunkle Nacht der Seele vom heiligen Johannes vom Kreuz und in den Maya-Kodexen wird das gleiche Phänomen aufgegriffen: Bewusstsein, das den physischen Körper verlassen hat, kann in Bezug auf Farbe und Licht Vorlieben zeigen, welche in Handlungen begründet sind, die in einer bestimmten Lebenszeit erfühlt und erfahren wurden. 

 

Durch diese Parallele sollen wir verstehen, dass unsere derzeitigen Vorlieben unseren ewigen Farbcode widerspiegeln und über die derzeitige Persönlichkeit hinausgehen. Es heißt, unsere Augen seinen das Fenster unserer Seele. Ebenso ist es mit unserer Farbauswahl.

 

Die Sprache der Farben erleben wir auf allen Ebenen unseres Seins.

 

Rudolf Steiner sagte:

„Farbe ist das Seelenelement der Natur und des ganzen Kosmos. Wir haben Anteil an diesem Seelenelement, wenn wir Farbe erleben.“

 

Die Farben des Regenbogens sprechen uns seit jeher magisch an. Bei den Aborigines wird die „Regenbogenschlange“ als Schöpfer der Welt und aller Geschöpfe betrachtet. Die griechische Mythologie sah den Regenbogen als Verbindungsweg, auf dem die Göttin Iris zwischen Himmel und Erde reist. Nach der irischen Mythologie hat der Leprechaun (Le-pruh-kawn) seinen Goldschatz am Ende des Regenbogens vergraben. In der germanischen Mythologie war er die Brücke Bifröst, die Midgard, die Welt der Menschen, und Asgard, den Sitz der Götter, miteinander verband. Während des Ragnarök, des Weltuntergangs der nordischen Mythologie, wird der Regenbogen zerstört. Regenbogen tauchen auch in der Schöpfungsgeschichte der Diné auf. Bei den Inka vertrat der Regenbogen die Erhabenheit der Sonne. Im Regenbogen drückt sich die Verbindung zwischen der himmlischen und der irdischen Sphären aus, weil wir sehen und erleben wie sich eine Farbbrücke vom spirituellen Jenseits zum materiellen Diesseits herabsenkt. Ich werde später noch genauer auf das Phänomen des Regenbogens eingehen.

 

Mit der „alltäglichen“ Farbensprache sind  wir sehr vertraut, weil wir Farbe immer auch erleben. Wenn uns ein Kind einen Strauß Löwenzahn schenkt, oder wenn Adalbert Stifter die Schönheit der Waldwiesen preist, die im Frühsommer mit vielen verschiedenen bunte leuchtenden Blumen bewachsen, oder das „Wasser, das so klar wie flüssiges Glas unter nassgrünen Erlengebüsch hervorschießt …“, da kommt ein Gefühl von Optimismus und Freude auf, oder nicht?

 

„Farben sprechen alle Sprachen“  - sagte der Dichter Joseph Addison.  

 

Rot beispielsweise, ist die Farbe der Leidenschaft und des Blutes, des Weins und der Rubinien. Hildegard Knef sang ihre Lieder über rote Rosen und wir fühlen die unsterbliche Hingabe regelrecht mit. Und wer kennt noch den Song von der norwegischen Sängerin Wencke Myhre aus den 70ern wo sie über ein knallrotes Gummiboot singt ? Rot wird auch von Heiligen Nikolaus getragen, einer Verkörperung der Fülle und des guten Willens. In Indien und in China tragen Bräute traditionell Rot als Symbol der Fruchtbarkeit und des Glücks und im Rotlichtviertel hat Rot eine sexuelle Bedeutung.

 

Im Beatles-Film The Yellow Submarine, als die blauen Fieslinge das Land der Fröhlichkeit und der Musik angreifen, verstehen wir, wie die Stimmung vermittelt wird.

 

Teil eines tieferen Geheimnisses ist es eben, dass wir unabhängig von unserem wissenschaftlichen Wissen auf Farbe ansprechen.

 

Wir fühlen uns zu bestimmten Farben hingezogen und finden diese schön oder auch nicht. Wir können von einigen Farben mehr angezogen werden als von anderen. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Wahrheit ist es, wenn es im Inneren mitschwingt. Die eigentliche Natur der Farben gilt jedoch vielen Menschen immer noch als Mysterium. 

 

Wenn wir über Farbe etwas lernen, erfahren wir gleichzeitig die archetypische Bedeutung der Farben und ebenso die universelle Bedeutung wie auch kulturelle Nuancen. Für die alten Ägypter konnte ein tief blauer Edelstein, der Lapislazuli, gesprenkelt mit Gold, Prestige und Respekt zum Ausdruck bringen. Andererseits ist es so, dass wenn man vollkommen betrunken ist, dies auch gerne landläufig als „völlig blau“ bezeichnet.  Ob es nun vor 3500 Jahre vor Chr. war oder jetzt, wir leben alle auf der Erde, dem blauen Planten, unter blauem Himmel mit Sonnenlicht, das sich durch unsere Atmosphäre ergießt und die Lebensprozesse der Natur zu einer grünen Vegetation anregt. 

 

Und wie es die feinstoffliche Anatomie erläutert, müssen wir alle mit dem gelben Stern im blauen Bereich zusammentreffen, um die Erfahrung der Empfängnis machen zu können. Sobald wir anfangen „den Farbcode “zu verstehen was die Farbauswahl uns sagen will, finden wir ganz viele gegensätzliche Assoziationen. Grün erinnert  mich z.B. an die Natur und eine andere Person denkt an „grün hinter den Ohren sein“ oder „grün vor Neid sein“. Ein Mensch mit cholerischem Temperament, der vor Wut zornrot wird, kann aber ebenso seiner Liebsten eine rote Rose als Zeichen seiner Liebe bringen. Zum Verständnis der Bedeutung von Farbe gehört dazu, dass wir eben die Vielfalt der Bedeutungen akzeptieren.

 

Wenn man die Sprache der Farben erforscht, ist es hilfreich zu verstehen, dass auch jeder schwierigen Situation ein Geschenk oder Potential innewohnt, damit wir unsere Fähigkeiten zum Ausdruck bringen und unser Bewusstsein erweitern. Ein Beispiel für solch eine Herausforderung ist das transformative Potential von Licht und Dunkelheit, Freude und Trauer und wird von Goethe so beschrieben:

 

„Die Wirkung von Wärme kann auf  eine sehr lebendige Art und Weise beschrieben werden, besonders, wenn wir eine Landschaft an einem grauen Wintertag durch ein gelbes Glas betrachten. Das Auge erfreut sich, das Herz weitet sich, wird aufgemuntert und ein Leuchten scheint auf einmal auf uns zuzuwehen … {aber} durch eine geringfügige, kaum wahrnehmbare Veränderung, wird der wunderschöne Eindruck von Feuer und Gold transformiert … die Farbe der Ehre und Freude wird umgekehrt zu Schande und Unlust. Zu diesem Eindruck gehören auch die gelben Hüte des Bankrotts …

 

 

LICHT, FARBE, BEWUSSTSEIN

Rudolf Steiner sagt, jeder Mensch müsse zusätzlich zur Verkörperung „innerer Wahrhaftigkeit und kompromissloser Aufrichtigkeit“ das Persönliche transzendieren, um „als reale Erfahrung zu fühlen und zu erkennen, dass er … höheren Welten angehört.“ 

Das Zusammenspiel von Licht und Farbe, seine Aussagekraft geht über das Phänomenale hinaus und wirkt direkt in unser Bewusstsein hinein.

 

Auch wir sind auf der feinstofflichen Ebene, auf der Seelenebene ein farbliches Juwel. Denken wir an unsere feinstoffliche Anatomie, an unser Aurisches Feld und unsere Chakren. Hier finden wir ebenfalls die Entsprechung der Farben des Regenbogens mit der genauen Zuordnung die ich hier nicht im Detail erläutern will. Das Wesentliche auf unserem persönlichen Weg ist, dass wir die Bereitschaft entwickeln unsere Farben zu klären, zu verfeinern und dadurch uns selbst und unser Umfeld zu durchlichten. Je mehr Lichtkraft der Mensch durch spirituelle Lebensführung und Hingabe an hohe Ideale entwickelt, desto klarer werden die Farben seiner Aura. 

 

Wir dürfen und sollen unseren Blick auf Höheres richten - in unser Innerstes , um unsere wahre Natur wieder zu erkennen. Denn, … „Die größere Führung liegt in euch selbst.“ 

 

Es gibt drei ursprüngliche Farben - Rot, Gelb und Blau, eine Dreiheit, die verglichen werden kann mit Körper, Seele und Geist.

 

Die sieben Farbstrahlen beschreiben auch die sieben großen Klassen der Menschheit und wenn wir den Pfad der Jüngerschaft antreten beschreibt Curtiss weiter:

 

„Das erste Tor durch das man gehen muss ist das Tor der Barmherzigkeit und der Toleranz allem gegenüber, die Erkenntnis der göttlichen Liebe und den tiefen Wunsch, eins zu werden mit der Christuskraft, die sich durch die Mitmenschen offenbart. Die ist darum das erste Tor, das sich auftut, weil Intoleranz sich jedem weiteren Fortschritt als Schranke entgegenstellt. Wenn also in deinem Herzen noch die leiseste Unduldsamkeit wohnt, so wird sie dich sogar daran hindern, den Pfad auch nur zu erblicken. Um die Intoleranz zu überwinden, erkenne die göttliche Liebe als weißes Licht, das sich auf der Erde nur durch seine mancherlei prismatische Farben offenbaren kann, und dass jede dieser Farben, wenn sie wahr und unbeschmutzt sich zeigt, ihren Platz im Herzen des reinen weißen Lichtes hat, denn das weiße Licht wäre nicht vollständig, wenn einer der Farbstrahlen fehlen würde.“

 

Farben sind gute Spiegel. Indem wir sie betrachten, erkennen wir uns und die Welt. Sehen wir in sie hinein, so verraten sie uns ihr Prinzip. Aber nicht nur Farben, auch Form, Zahl, Ton und Wort bilden für uns Vehikel, Brücke und Tor, um die Gesetze des Daseins zu erkennen und Zugang zu unserem innewohnenden Wesen zu finden.

 

Sie spiegeln sowohl die Irrtümer und Verfehlungen, die Irrungen und Verwirrungen unseres Lebens  wider, weisen uns aber auch die Richtung zum Ziel. Als Kinder des Lichts führen sie uns, wenn wir den rechten Pfad folgen, auch zu ihm zurück. Auch dann, wenn uns der innere Sinn für Farbe fehlen sollte, genügt es, sie als Aufhänger zu betrachten. In ihrem Beispiel erkennen wir uns selbst, lernen wir Triebkräfte, Streben, Weben und Wirken unseres Wesens besser zu verstehen. Ver-stehen heißt aber Tun, heißt, im Handeln erfahren und verwirklichen. Und zur Tat, zur Verwirklichung im eigenen Leben möchte ich jeden von uns einladen.

 

Die sieben Farben des Regenbogens

 

„Sieben Lichter sind im Allerhöchsten, und darin wohnt der Alte der Alten,

das Mysterium der Mysterien, das Geheimnis aller Geheimnisse: Ajin Sof.“ 

SOHAR

 

Blau, Rot, Gelb, Grün, Orange und Violett sind die sechs klassischen Reinfarben, die uns sowohl bei der Brechung des Lichtes als auch im Stofflichen als Eigenfarben verschiedener Substanzen begegnen. 

 

Rudolf Steiner sagte es in folgenden Worten:

 

„Licht geht aus der Dunkelheit hervor.

Dunkelheit geht aus dem Licht hervor.

Aus diesem Phänomen erfolgt die Bildung aller Farbabstufungen.“

Rudolf Steiner, Farbe (119)

 

Bei Heinrich Benedikt heißt es:

„Farbe ist der manifestierte Ausdruck der unmanifestierten Fülle des Lichtes.“

 

Während wir unter den Materialfarben sowohl von der Fülle der Eigentöne als auch deren Mischungen noch eine ganze Menge weiterer Eigentöne - w.e. 3 Tertiärfarben - finden, existier im Licht ausser jenen sechs Tönen zusätzlich nur noch einer. Ihn finden wir, wenn wir den Regenbogen betrachten: INDIGO

Somit haben wir sieben Reinfarben die das gesamte Spektrum des weißen Lichtes bilden.  Während wir durch die Mischung von Pigmentfarben noch weitere neue Farbtöne erhalten, ergeben sämtliche Verbindungen der Regenbogenfarben entweder Weiss oder wiederum eine der Spektralfarben.  Wir finden sehr wohl allerlei Zwischentöne, nie aber führen sie über das Spektrum der Palette des Regenbogens hinaus. Wir finden hier auch erstmals ein interessantes Phänomen, das uns auch in anderen Bereichen noch öfters begegnen wird. Es ist die Bedeutung der Zahlen Eins, Drei und Sieben als Schlüssel.

 

Ist Eins das eine ungebrochene, ganze weiße Licht, der volle Strahl und Sinnbild des Einen Göttlichen das aus der Dunkelheit (Null) hervor ging, so steht Drei für die Zahl der Grundfarben (Sinnbild seiner Dreiheit), also jene Farben, die einerseits selbst unzerlegbar sind, zum anderen aber aus ihrer Verbindung alle anderen Farben herausbilden. Die Sieben ist die Zahl der Gesamtheit aller im Licht bzw. im Regenbogen unterscheidbaren Farbtöne. 

 

Und tatsächlich ist Sieben die Zahl der Vollständigkeit. Sieben sind die unterschiedlichen Töne der Oktave, Sieben die Tage der Woche und die Sphären der Schöpfung. Auch unsere Aura besteht aus sieben Farben, die sich auch in der Ordnung des Regenbogens aneinanderfügen. Die Kabbala nennt die Sieben die heilige oder kosmische Zahl - und haben wir unsere sieben Sachen gepackt, dann haben wir alles dabei….

 

Das Urbild der sieben Farben bilden die sieben Strahlen der Theosophie, die sieben Geister Gottes. Der Okkultist betrachtet diese Offenbarung als von göttlichen aber doch noch endlichen Wesen herrührend, von geoffenbarten Leben, niemals von dem unmanifestierbaren EINEN LEBEN; von jenen Wesenheiten, die als Urmensch, Dhyâni-Buddhas, oder Dhyân-Chohans, als Rishi-Prajâpati der Hindûs, als Elohim oder Söhne Gottes, als Planetengeister aller Nationen, für die Menschen Götter geworden sind. (GL, Vw. 71, digital)

 

Sie sind den Farben entsprechend:

 

ROT

Geist des Lebens und des Willens

Wurzel-Chakra

ORANGE

Geist der Heiligkeit

Sacral-Chakra

GELB

Geist der Weisheit

Solar-Plexus-Chakra

GRÜN

Geist des Wachstums und der Ewigkeit

Herz-Chakra

BLAU

Geist der Wahrheit

Hals-Cakra

INDIGO

Geist der verborgenen Mysterien

Drittes Auge

VIOLETT

Geist der Opferung

Kronen-Chakra

 

Erinnern wir uns an die allumfassende Einheit des Göttlichen im Einen Weißen Licht. So erkennen wir in den sieben Farben oder Geistern die sieben Urkräfte, in denen das Göttliche sich offenbart und mit und aus dem alles geschaffen wurde, was geschaffen ist.

 

Es sind die sieben Mächte, die sieben herrschaftlichen Kräfte und Gewalten. Ihre Widerspiegelung im Menschen ist die Aura. Entsprechenderweise des Ausmaßes, in dem das göttliche Bewusstsein bzw. das göttliche Licht im Menschen gebunden, getrübt oder begrenzt ist. So sind die Qualitäten der Seele, deren Ausdruck die Farbe der Aura ebenfalls getrübt und nur ein schwacher Abglanz der sieben Geistfeuer, die den Thron der Herrlichkeit umstellen.

 

Die Zahl Drei repräsentiert sowohl die drei Seiten des Prisma als auch die drei Grundkräfte im Menschen: Liebe, Wille und Intellekt, die das Eine, das weiße Licht des Bewusstseins, in seine sieben Bestandteile brechen.

 

Die Qualität und die Reinheit der sieben Farben hängt von der Reinheit des Prismas und den Proportionen seiner drei Seiten ab. Je nach dem in welchem Verhältnis und zu welcher Höhe wir die Kräfte des Willens, der Liebe und des Intellektes in uns entwickelt haben, ist auch die Aura mehr oder weniger schön und klar in ihren Farben. Als Spiegel der Seele reflektieren diese Farben sämtliche Qualitäten, Schwächen, Stärken und Tugenden des Menschen.

 

„Der Wahrnehmende ist reiner Geist. 

Und obgleich er rein ist, wird seine Schau durch die Färbung des Gemüts bestimmt.“ Yoga-Sutra des Pantanjali (2,20)

 

Das Zahlenmuster Eins - Drei - Sieben bildet ein universelles Muster, das uns in den verschiedenen Bereichen des Daseins begegnet und Ausdruck eines großen kosmischen Gesetzes ist. Wir finden dieses Muster in der Musik und der Astrologie, aber auch als Schlüssel zu den Seinsformen und - ebenen des Universums und des Menschen. 

 

Wenn wir diesem Gesetz auf den Grund gehen, werden wir sehen, das der Mensch ein exaktes Abbild der Farbreihe bildet und das Verständnis des Prismas uns eine tiefe Einsicht in die Geheimnisse der Seele vermitteln. Um diesen Zusammenhang tiefgreifender verstehen zu können, ist es nötig, die Funktion und Arbeitsweise der Chakren, jener feinstofflichen Energiezentren, die das eine Licht in seine verschiedenen Schwingungen transportiert, besser zu verstehen. (Dies würde aber hier das Thema sprengen.)

 

Ich möchte mich hier in der Betrachtung der Farben nicht unbedingt beschränken, sondern sie unter dem Gesichtspunkt einer kosmischen Wirklichkeit ansehen, die sich in ganz spezifischer Weise der Seele mitteilt, auf sie wirkt und ihr die Geheimnisse der Schöpfung zuflüstert. Um die hier gemachten Betrachtungen über die „Sprache der Farben“ auf die Deutung und das Lesen der Aura anwenden zu können, ist es nötig, das bisher Gesagte in den Rahmen der Qualitäten, Schwächen, Stärken und Tugenden der Seele zu stellen und die ihnen entsprechenden seelischen Eigenschaften des Menschen.

 

Um den Grundschlüssel nochmals hervorzuheben, will ich für die sieben Farben in unseren feinstofflichen Körpern folgende Grundbezeichnungen aus dem Ganzen herausschälen:

 

 

 

FARBE

ZUORDNUNG

CHAKRA

SANSKRIT

ROT

Emotionalität, Durchsetzungskraft, Vitalität

Wurzel-Chakra

Mulhadara

ORANGE

Kreativer Ausdruck

Sacral-Chakra

Svadhisthana

GELB

Denken, Empfindsamkeit

Solar-Plexus-Chakra

Manipura

GRÜN

Innere Ausgewogenheit, Heilung

Herz-Chakra

Anahata

BLAU

Frieden, Selbstlosigkeit, Hingabe

Hals-Cakra

Vishuddha

INDIGO

Glaube und Versenkung

Drittes Auge

Ajna

VIOLETT

Religiosität*, Dienen, Selbstaufopferung

Kronen-Chakra

Sahasrarar

  • Religiosität im Sinne von Rückbindung

 

Je nach Reinheit, Stärke und Helligkeit sind die entsprechenden Eigenschaften in der Seele in größerer oder geringerer, in reinerer oder minderer Form entwickelt. Ist das eine weiße Licht Urbild des einen göttlichen Ursprungs, so versinnbildlichen die sieben Farben die sieben Geister Gottes, die die Welt bewegen. Sie entsprechen jenen sieben geistigen Urlichtern, die die Sphären der Schöpfung bilden und manifestieren.

 

Wir erkennen diesen Zusammenhang sehr deutlich im Symbol des siebenarmigen Leuchters, der Menorah, einem der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums, das Mose in seiner Vision am Berg Sinai erhalten hat. Die sieben Arme wachsen aus einem Stamm der Sinnbild der geistigen Welt und des ewigen Lebens ist. Symbol des Ausströmens allen Lebens aus dem unermesslichen Fluidum des Höchsten. Ebenso sehen wir das Sinnbild der sieben Menschheiten und die sieben Strahlen die sich aus dem Stamm Adam Kadmons, des kosmischen Urmenschen verzweigen.

 

Der göttliche Funke jedes Menschen gehört zu einem dieser sieben Strahlen, woraus sich das Gesetz der Seelenverwandtschaft und das der verschiedenen geistigen Hierarchien erklärt. Es ist auch der Regenbogen, den Gott bzw. JHWH wählt zum Zeichen seines Bundes mit Noah und den Seinen.

 

„Meinen Bogen setzte ich ins Gewölk als Pfand Meines Bundes mit der Erde.“ Gen.9,13

 

 

 

 

 

 

Bildquelle: Wikipedia, Knesset Menora

 


Abb.1: Matthis Gerung (1500-1568), Der Menschensohn beauftragt Johannes mit den Briefen an die sieben Gemeinden in Kleinasien, symbolisiert durch die sieben Leuchter.

Abb. 2: Albrecht Dürer, Apocalipsis cum figuris ,1498

Der Regenbogen, auch Zeichen der Gottesbeschirmung und Symbol der Jakobsleiter, die Gott dem Menschen aus seiner Höhe zur Erde hinabläßt, dass er auf ihren Sprossen durch die sieben Sphären des Seins, die sieben Stufen der Schöpfung und der Evolution emporsteigen und zurückkehren kann.

 

Es ist der gleiche Bogen, den Johannes in seiner Vision auf Patmos sieht und der sich als Zeichen seiner Herrlichkeit über dem Menschensohn wölbt. Im Regenbogen liegt ein horizontaler und ein vertikaler Sinnbezug.

 

In seiner horizontalen Sicht ist es die Aufgliederung des einen Lichtes in seine sieben Urgewalten, des einen Logos in seine sieben Strahlen oder Geister, die die Wurzel aller Schöpfung sind und aus denen die Lichtfunken der Menschheit und ihrer sieben geistigen Rassen hervorgeht.

 

In der Offenbarung des Johannes sind sie die durch die sieben Urlichter oder Sterne in der rechten Hand des Menschensohnes dargestellt. 

 

Als Stufen zunehmender Frequenz gesehen, bilden die Farben vom Rot bis zum Violett eine Skala zunehmend höherer Schwingung, sowie wachsender Feinheit und Subtilität.

 

In dieser vertikalen Sichtweise bildet der Regenbogen die Brücke von dem grobstofflichen Rot zur ätherischen Welt. Darin verkörpert Rot als die niedrigste aller Schwingungen, die emotionelle, triebhafte Natur des Menschen.

 

In der Kabbala ist Rot die Farbe Adams, des „alten“ Menschen. Aber Adam muß sterben um dem neuen Menschen Platz zu machen.

 

Der neue Mensch ist Christus, und seine Farbe Blau schwingt in einer wesentlich höheren Frequenz. (Vgl. Mûlaprakriti zu Brahman?)


 

 

In dieser vertikalen Betrachtung des Regenbogens zeigt sich der ganze Bogen aufsteigender Entwicklungsschritte, die vom „roten Adam“, dem alten Menschen, gemacht aus „roter Erde“, Sinnbild  des Ego und der niederen Natur, bis hin zum Blau-Violett des Bodhisattva, des Christus oder Er-lösers reichen, der herabsteigt, sich zu opfern, um in ihm als neuer Mensch aufzuerstehen. Somit verkörpern die Farben des Regenbogens den Entwicklungspfad der Seele, den sie hinaufsteigt, um sich von den niedrigen Schwingungen der grobstofflichen Welt der Tätigkeiten, und des emotionellen, egozentrischen Strebens und Tuns zu erheben und emporzuklimmen in die lichten Höhen der subtilen Schwingungen des Geistes und seiner Ideale der Hingabe, der Selbstaufopferung und des Dienstes an der Welt.

 

Zum Abschluss und am Rande möchte ich noch auf den asymmetrischen Charakter des Farbspektrums hinweisen. Wie wir darin erkennen können, gliedert es sich in eine Rot-Orange-Gelb und in eine Blau-Skala. Umfasst die untere Hälfte die ausstrahlenden, aktiv-männlichen Töne, so erhält die obere die empfangenden, passive-weiblichen Farben. Will man das in einer Kurve sichtbar machen, so erhalten wir folgendes Bild:

 

 

+ aktiv-männlich                                             —   passiv-weiblich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie wir sofort erkennen können, ist es das Grün, die Farbe des Wachstums und Lebens, der Harmonie und Heilung, der Farbe des Herz-Chakra, das die beiden Seiten, die positiv-ausstrahlende mit der negativ-empfangenden Skala des Spektrums balanciert.

 

 

Befassen wir uns im Einzelnen mit der Farbe Grün, kommen wir zum Herzen und stoßen  auf das Symbol des Kreuzes und die Zahl 5.  In der Mitte des Kreuzes, im Schnittpunkt des Hier-und-Jetzt, in der stillen Kammer des Herzens, gebiert sich der neue Mensch. Da erwacht die Fähigkeit des wahren Liebens. Grün steht für das erwachende Herz. Den nur im Herzen ist es möglich, die Gegensätze von Ich und Du, von Männlich und Weiblich, von Geist und Stoff - im Sinne von göttlichem und irdischen Leben - zu überwinden und zu vereinen. Der Kopf ist dazu nicht in der Lage. Mitgefühl und bedingungslose Liebe ist die Quintessenz des Lebens und des Menschseins. Das ist das Gold des Alchimisten, das aus dem Schmelzofen des irdischen Lebens hervorgeht.

 

 

 „Die Natur ist nicht an der Oberfläche, sie ist in der Tiefe.

Die Farben sind der Ausdruck dieser Tiefe an der Oberfläche.

Sie steigen aus den Wurzeln dieser Welt auf. Sie sind ihr Leben.“

Paul Cezanne

 

Karin Waltl, TG Linz - 2021

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