Das Drama des werdens Teil i

Edeltraud Elsas

Werden und Vergehen – Räder in Rädern (Zyklen)

 

Ich glaube, dass der Mensch nicht nur ausharren wird: er wird siegen.

Er ist unsterblich, nicht weil er allein unter den Kreaturen eine unerschöpfliche Stimme hat, sondern weil er eine Seele hat, einen Geist, der zu Mitleid, Opfer und zum Ausharren fähig ist. 

Die Pflicht des Poeten, des Schriftstellers ist es, diese Dinge zu schreiben.


 

Es ist sein Privileg, die Menschen beim Ausharren zu unterstützen, indem er sein Herz anhebt, indem er sie an ihren Mut und ihre Ehre und ihre Hoffnung und ihren Stolz und ihre Barmherzigkeit und ihr Mitgefühl und ihr Opfer erinnert, die der Ruhm ihrer Vergangenheit waren. 

Die Stimme des Poeten muss nicht nur die Aufzeichnung der Menschheit sein, sie kann eine der Stützen, der Säulen sein, ihr dabei zu helfen, durchzuhalten und zu siegen.

William Faulkner
Faulkner befindet sich mit seiner Behauptung, dass der Mensch am Ende siegen wird, in vollkommenem Einklang mit dem theosophischen Weltbild. Denn eben dieser Mensch (in seiner Individualität, welche von Gott gemeint ist im Sinne von Minne) ist ja als unselbstbewusster Gottesfunke in die Welt der Emanation gekommen als Pilger der Ewigkeit, um am Ende als völlig selbstbewusste Wesenheit im Reich der vollkommen erwachten Helfer seinen Dienst für die jüngere Menschheit anzutreten.
Madame Blavatsky definiert diesen großartigen Werdegang des Menschen einzig und allein über „die MONADE in ihrer absoluten Totalität und in erwachtem Zustand – als den Gipfelpunkt der göttlichen Inkarnationen auf Erden.“ (GL I, 205/206) und behauptet: „Der Mensch strebt, ein Gott und dann – Gott zu werden, so wie jedes andere Atom im Weltall“. (GL I, 183) Denn jede  Monade*  oder  jedes  Bewusstseinszentrum ist eine  lebende,  wachsende und lernende Wesenheit.

* Die Monade ist eine Einheit, das Eine, die Triade Atma-Buddhi- Manas oder die Duade Atma-Buddhi bedeuten. Sie ist der unsterbliche Teil des Menschen für ein Manvantara. LGL Seite 257

 

Das Drama des Werdens resultiert demzufolge aus der Unwissenheit des menschlichen Werdegangs, seiner Bestimmung und dessen Bedingungen. Der Ausweg liegt in der Fähigkeit, nach und nach die 7 allumfassenden Naturgesetze zu verstehen, um die sich daraus ergebende Ausrichtung in der eigenen Lebensführung verwirklichen zu können. Diese 7 Naturgesetze* nämlich lassen erahnen, dass alles Streben, welches diesen Gesetzen zuwiderläuft, die Dramen im Leben jedes einzelnen Menschen, jeder Gruppe oder auch jeder Zivilisation verursachen.
* 1. Das Gesetz der Analogie; 2. Die Siebenfältigkeit des Universums ; 3. Das Gesetz der Hierarchien; 4. Das Zwillingsgesetz der Evolution und Involution
;  5. Das Gesetz der Zyklen; 6. Jeder Punkt im Universum ist eine sich entwickelnde Wesenheit;
  7. Der höchste Teil des Menschen ist von gleicher Dauer wie das Göttliche!

 

Demnach besteht das Drama also nur, so lange wir die Bedingungen des Werdens nicht akzeptieren! Anders ausgedrückt: Wir müssen dereinst kompromisslos mit und nicht gegen die göttliche Natur arbeiten, denn die ganze Natur wartet auf die Erlösung durch den Menschen. Buddhas Aussage „alles Leben ist Leid“ (Bhagavad Gita!)* bezieht sich ja auf den nicht erwachten Embryo-Gott Mensch, der keine Ahnung von den Naturgesetzen hat und seinen winzigen Willen gegen die gesamte Emanation stellt. 

* Epos (Lehrgedicht) aus dem indischen Mahabharata

 

„Jeder Himmelskörper ist der Tempel eines Gottes, und diese Götter selbst sind die Tempel Gottes, des unbekannten „Nichtgeistes“. Es gibt nichts Profanes im Universum. Die gesamte Natur ist ein geweihter Ort, wie Young sagt: „Jeder dieser Sterne ist ein Gotteshaus.”  

Somit können sämtliche exoterische  Religionen als gefälschte Kopien der esoterischen Lehre nachgewiesen werden. Für den gegenwärtigen Umschwung zugunsten des Materialismus ist die Priesterschaft verantwortlich zu machen. Indem sie die um der Allegorie willen personifizierten Hüllen der äußeren, heidnischen Ideale anbeteten und ihnen bei  den Massen Geltung verschufen, hat die jüngste exoterische Religion aus den westlichen Ländern ein Pandämonium* gemacht, in welchem die höheren Klassen das goldene Kalb anbeten und die niedrigeren und unwissenden Massen dazu gebracht wurden, einen Götzen auf tönernen Füßen anzubeten.“ GL I,  S. 599, digital, Übers. A. Zebrowski 

* Pandämonium oder seltener Pandaimonion steht für: die Gesamtheit aller Dämonen oder ihren Aufenthaltsort, allgemein einen Ort des Grauens

Da wir uns bereits am aufsteigenden Bogen dieser Evolutionsperiode befinden, sind wir gerufen, die gesamte Natur mit allem was darinnen ist, mit unserem ganzen Sein, unserem Wähnen und Wollen, auf eine höhere Stufe zu heben.

Keine leichte Aufgabe, wie bereits der Mahatmabrief Nr. 13 aus dem 1. Band erahnen lässt: „die Individualität muss, um ihren siebenfachen Weg aufwärts und abwärts erfolgreich zu durchlaufen, sich die ewige Lebenskraft einverleiben, die nur im siebenten (Prinzip) wohnt, und dann die drei (das vierte, fünfte und siebente(Prinzip)) in eines verschmelzen - in das sechste. (Nämlich das Christos-Prinzip!) Jene, denen dies gelingt, werden Buddhas, Dhyan Chohane usw“ (Zitatende).

Auf diese noch zu bewerkstelligende Vereinigung weist auch Jesus hin mit den Worten: "Bisher habt ihr nichts erbeten in meinem Namen." Joh. 16, 24

Die einzelnen Etappen im Leben eines jeden Menschen helfen jedoch, uns zum Beginn dieses erhabenen Weges zu geleiten, da das Leid nur mit Hilfe des Geistes überwunden werden kann. 

Karma* trägt jeweils das augenblicklich Beste an uns heran, sei es Freude oder Schmerz, damit wir lernen können und von unseren kristallisierten Gedanken ablassen, die so viel Übles in der Welt der Manifestationen hervorbringen. 

* Handlung/Werk in Ursache und Wirkung, das Gesetz des Ausgleichs!

 

Wir sind ja gewalttätig, ja eben gefährlich in unseren Meinungen. Deshalb werden die Initiierten zum Stillschweigen verpflichtet, damit wir nicht mit einer „erschlichenen“ Himmelsfackel die ganze Welt anzünden!

Denn Unwissenheit birgt die Gefahr, dass wir unseren guten Eigenwillen mit der Güte Gottes verwechseln, welche nach Meister Eckehart* nicht anders kann, als lieben zu müssen.

* Eckhart von Hochheim (bekannt als Meister Eckhart, auch Eckehart; * um 1260 - 1328, war ein einflussreicher spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph.

 

Bedenken wir: „Ursprünglich ist der Wille eine unpersönliche Energie!“ G.v.P., Dialoge III, S. 149 

Wir können ja nicht gut sein wollen, denn dazu müssten wir wissen, was das „Gute“ ist und zwangsläufig müssten wir uns in einem erleuchteten Zustand befinden. Immerhin sind wir „gut“ entsprechend unserem individuellen Evolutionszustand. 

Der jedoch sieht von höherer Warte vielleicht gar nicht so gut aus. Es genügt daher, unserer ganz natürlichen Pflicht innerhalb der großen Bruderschaft der Menschheit nachzukommen.

Je weiter wir fortschreiten, desto mehr erkennen wir, dass sich all unser Tun nur zum Guten wendet, “wenn es in Harmonie mit der großen Linie der Evolution übereinstimmt und die Entfaltung göttlicher Möglichkeiten fördert“. G.v.P., Esoterische Schulen, Kapitel 35, aus: „Esoterische Tradition S. 42

 

Dazu verhilft uns der Meister im Heiligtum unserer Seele. Er ist das Höhere Selbst (BCW IX/249) und beeindruckt uns über den buddhischen Kanal, das Christosprinzip*, sobald wir dies zulassen. 

* Christos In der Mysteriensprache: der Gereinigte - Christos oder ‘Christus‘ ist ein griechisches Wort, das wörtlich jemanden bezeichnet, der ‘gesalbt‘ wurde. Dies ist eine direkte Bezugnahme, eine unmittelbare Anspielung auf ein Ereignis während der Feier der alten Mysterien. Die Ölung oder Salbung gehörte mit zu den Handlungen, die während der feierlichen Bräuche jener alten Mysterien in den Ländern am Mittelmeer vollzogen wurden. Das hebräische Wort für einen Gesalbten ist Mäshiahh — ‘Messias‘ ist eine übliche falsche Schreibung des hebräischen Worts. Es bedeutet genau das gleiche wie das griechische Wort ‘Christos‘. Jedes Menschenwesen ist eine Inkarnation, eine Verkörperung eines Strahls seines eigenen inneren Gottes — jener Gottheit, die im allerinnersten Kern jedes Menschen wohnt. Moderne, mystisch veranlagte Christen nennen sie den immanenten Christos, und soweit haben sie recht. Aber sie verfolgen den Gedanken nicht weit genug. Im mystischen Sinne ist der Christos die unsterbliche Individualität. Wenn das nach Vollkommenheit ringende persönliche Ich mit dieser fleckenlosen Individualität dauernd vereinigt wird, bildet die daraus hervorgehende Verschmelzung das Höhere Ego, den ‘lebendigen Christus‘ — einen Christus unter den Menschen, oder, wie die Buddhisten sagen würden, einen menschlichen oder Manushya Buddha. G.v.P., Okkultes Wörterbuch, S. 38/39


Vermutlich bezieht sich auch Marc Aurel in seinen „Selbstbetrachtungen“ auf die „Göttliche Seele“, wenn er behauptet: „Die Dinge selbst berühren die Seele in keiner Weise, haben keinen Zugang zu ihr und können sie weder umstimmen noch bewegen.“ (Zitatende)

Ja, denn sie ist unumstößlich, unwandelbar, unverletzbar im SEIN (SAT)

Die christliche Lehre weist ebenfalls auf die Unverletzlichkeit und Einzigartigkeit jeder Individualität hin, die von Ewigkeit zu Ewigkeit IST: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Jesaja 43, 1

Der Volksmund drückt diese Wahrheit mit ganz einfachen Worten aus: „Niemand fällt tiefer als in Gottes Hand!“ 

Dieses höchste Prinzip - in der christlichen Lehre mit Gott bezeichnet – in der theosophischen Nomenklatur mit Parabrahman – erhebt also Anspruch auf das unbedingte und immerwährende Sein seiner „Sprösslinge“!

Deshalb wird der „Gute Hirte“ seine Herde verlassen, um das „verlorene Schaf“ zu suchen, weil sonst ein unverzichtbarer Baustein in diesem Universum fehlen würde. Wir können auf niemanden und auf nichts in der Göttlichen Offenbarung verzichten; ja noch nicht einmal oder erst recht nicht auf die karmischen Ereignisse, die uns auf die eine oder andere Art wirklich wehe tun.

Eine möglichst – sagen wir mal - „bequeme und angenehme Inkarnation“ ist deshalb nicht wünschenswert, weil sie uns einlullt und keinen oder nur wenig Lernstoff bietet. Das ist der Grund, warum Gottfried von Purucker behauptet: Leid ist unser größter Freund. 

Eine Analogie findet sich bei Matthäus V in den Seligpreisungen: „Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.“

Eine eher problematische Inkarnation verweist uns nicht nur in unsere Schranken, sondern eröffnet uns die Möglichkeit, mehr Mitgefühl für unsere Schwestern und Brüder zu entwickeln. Du kannst diesen Pfad nicht wandeln, wenn Du nicht selbst dieser Pfad wirst, behauptet die theosophische Lehre.

Damit nähern wir uns ja unserem buddhischen Prinzip, welches auf völliger Harmonie im Werden basiert und durch welches die göttliche Intelligenz wirken kann. 

Die spirituelle Seele des Menschen ist der Kanal, durch den Âtman seine göttlichen Inspirationen dem menschlichen Ego zusenden kann. Ein Mensch, in dem Buddhi erwacht ist, erstrahlt mit den Eigenschaften der Unterscheidung, der Intuition, der spirituellen Schau, der grenzenlosen Liebe und des Mitleids. 

„Mitleid ist kein Attribut. Es ist das GESETZ der Gesetze - ewige Harmonie, Alayas* SELBST; eine uferlose, universale Essenz, das Licht immerwährenden Rechts, die Folgerichtigkeit aller Dinge, das Gesetz ewiger Liebe.“ H.P.B., Stimme der Stille, S. 93, digital

* Eine Zusammensetzung: a – „nicht“, laya von der Wortwurzel Li „auflösen“. Daher „das Unauflösliche“. Die universale Seele; die Grundlage, Wurzel und Quelle aller Wesen und Dinge – des Universums, der Götter, Monaden, Atome usw. Mystisch identisch mit akasa in dessen höchsten Elementen und mit Mulapraktriti in deren Essenz als „Wurzelerzeuger“ oder „Wurzel-Natur“.  G.v.P., OKW, S. 14

 

Tatsächlich ist es Atman, das höchste oder 7. Prinzip des Menschen, welches dem Wanderer zwischen den Welten hilft zu leben und zu sterben, um wieder zu erscheinen und nicht zuletzt am vorläufigen Ende seines Weges den Richtung weisenden Impuls für den weiteren Werdegang zu geben. Letztendlich ist es die „Göttliche Seele“, welche diese Entscheidung trifft.

Wir können also nicht nach Gutdünken dieses Leben, diesen Planeten, dieses Sonnensystem oder dieses Universum verlassen. 

„Die periodische Pendelbewegung zwischen Existenz in einer Form und Existenz in reinem Bewusstsein stellt nur eine Facette des universalen Gesetzes von Aktion und Reaktion dar, welches in der Theosophie mit dem Sanskritausdruck Karma bezeichnet ist.“ H.P.B., Die Dynamik der psychischen Welt, Einleitung, S. 11 

Von dieser Naturtatsache ausgehend sprechen die Philosophen, jeder auf seine Art, vom Geworfensein. Und tatsächlich ist es so. Gegen das Gesetz des Werdens innerhalb der Zyklen können wir absolut gar nichts ausrichten!

Die Wachstumsschmerzen, welche mit dem Prozess erwachender Einsicht verbunden sind, veranlassen jedoch manche unserer Mitmenschen zu dem geheimen Wunsch, nicht wieder antreten zu müssen; was aber tatsächlich nur ein frommer Wunsch oder eben auch nicht mal so fromm ist. 

Denn es besteht für jede wachsende Seele die Pflicht, den Kreislauf der Notwendigkeiten in allen Zyklen zu durchschreiten mit dem Ziel, sich als Mitarbeiter auf höheren Ebenen zu qualifizieren.

Die Nachfolge Jesu, als kategorischer Imperativ begriffen, gründet ja auf der Tatsache, dass die Individualität den ganzen kosmischen Zyklus zu durchlaufen hat!

Der Mensch (jedoch), der unentwegt und unbedingt nur sich selbst lebt, endet in jenem fernen Lande des „Mystischen Westens“, dem Lande des spirituellen Verfalls, denn die Natur will nichts mehr von ihm wissen. Er hat seinen winzigen, unentwickelten Willen den mächtigen Strömen des Kosmos entgegengestellt, und früher oder später wird er auf eine Sandbank am Lebensstrome gespült, wo er zugrunde geht. Die Natur kann dauernde und hartnäckige Selbstsucht nicht dulden“. G.v.P., Goldene Regeln der Esoterik, S. 110
Die im Werden befindliche Monade kann auch als Adam Kadmon* bezeichnet werden. Es ist der nicht selbstbewusste Gottesfunke, welcher seine Reise in die dichte Materie beginnt, um sich dort zu entwickeln, um am Ende dieser Evolutionsperiode als selbstbewusste Wesenheit in die Heimat zurückzukehren!  

* Adam Kadmon bedeutet archetypischer Mensch, Menschheit. Er ist der „himmlichse Mensch“, der noch nicht in Sünde gefallen ist. Kabbalisten beziehen ihn auf die zehn Sefirot auf der Ebene der menschlichen Wahrnehmung [Westcott]. Adam Kadmon, der himmlische oder göttliche Mensch, der Mikrokosmos, das Paradigma (griechisch: Beispiel, Muster) der Menschheit, ist in der Kabbala der manifestierte Logos, der unserem dritten Logos entspricht. Demgegenüber ist das Unmanifestierte der erste paradigmatische ideale Mensch und symbolisiert das Universum in absconditio (im Verborgenen) oder in seiner Privation (Absonderung) im aristotelischen Sinn. Der erste Logos ist das „Licht der Welt“, der zweite und der dritte sind seine allmählich sich vertiefenden Schatten. (H.P.B., Lexikon der Geheimlehren, S. 40)

Dabei ist dieser sogenannte Engelsturz ja erst die moralische Geburt des Menschen. Am tiefsten Punkt der Materie angelangt, fängt er an, sich aus dieser dichten Materie wieder zu befreien, womit er tatsächlich seine Not wendet. 

KH informiert darüber, dass der Abstieg in die Materie aufgrund des zyklischen Impulses geschieht, dann wieder aufwärts über die ganze Evolutionsleiter, keine Sprosse auslassend und bei jeder Sternenwelt anhaltend, daneben den Kreislauf der eigenen Lebensrunde vollendend, d.h., das Alter der Vernunft erreicht haben, ehe man stirbt“. MB I, Brief Nr. 9, chronologisch Nr. 20, S. 181

Wir können ja keinen Sieg für uns in Anspruch nehmen, den wir nicht selbst erkämpft haben. „Das Himmelreich ist nur mit Gewalt zu erobern“, heißt es in der Bibel. Gewalt meint hier die unnachgiebige und Ziel führende Anstrengung, welche wir trotz Leid und Schmerz unternehmen. Denn jeder Fortschritt erfordert Mut! 

Verlieren wir dabei einstweilen nicht unsere Verletzlichkeit! Aus dem geschliffenen Diamanten wird der „Baustein, den die Bauleute  verworfen haben!“ Psalm 118,22.

Ein Mitarbeiter und Helfer für Ewigkeiten! Genau das ist unser Ziel und unsere Pflicht!

„Dabei gibt es keine göttliche Amnestie, die dir das Werden erspart." heißt es bei Saint-Exupery in seiner Stadt in der Wüste. Du möchtest sein? Du wirst nur im Göttlichen*.

Das Wort Gott wurde theosophisch abgeändert, um eine „gigantische Fehlbezeichnung“ (s. Meisterbriefe Band II, Brief Nr. 10, Seite 205) zu vermeiden.

Es wird dich in seine Scheune einbringen, nachdem du langsam durch deine Handlungen geworden und geknetet sein wirst; denn der Mensch braucht lang zum Geborenwerden! Leben heißt: "langsam Geborenwerden.“  Dieses Geborenwerden findet von Ewigkeit zu Ewigkeit – um nicht zu sagen bis in alle Ewigkeit – statt. So wird es ja auch in den Heiligen und Okkulten Schriften dieser Welt mitgeteilt. 

Jedes Wesen, jede Zivilisation, jeder Planet etc. etc. wächst und vergeht und evolviert wiederum innerhalb bestimmter Zyklen – auch Yugas genannt –, welche der Mensch neben den allumfassenden Naturgesetzen durch sein Wollen und Können aktiv über das Manasprinzip mitgestaltet. 

Dieses Prinzip wurde in der 3. Wurzelrasse dieser 4. Runde im Menschen durch die Manasaputras* erweckt, welche der Hierarchie des Mitleids angehören.

* Die Mânasaputras sind jene Dhyân-Chohans, deren höheres mânasisches Prinzip durch die Erleuchtung von Buddhi hoch entwickelt ist. Sie gehören der Hierarchie des Mitleids an. 

Zitat - „Sie traten in die unentwickelten Gemüter der Menschen der Dritten Wurzelrasse der vierten Runde ein. Damit erweckten sie die noch nicht erwachten Kräfte des Verstandes, der Egoität, des Selbstbewusstseins und der Verantwortung für die Wahl.*“ Sanskritschlüssel J.Tyberg Übers. U.S. – Zitatende – 

* bezieht sich auf den Mittelpunkt der fünften Wurzelrasse (vierte Unterrasse der fünften Wurzelrasse) auf dem vierten Globus während der fünften Runde GVP Studien zur Esoterischen Philosophie

Das bedeutet, dass jede Individualität ab der Ausbildung des Manasprinzips für jeden Gedanken, jede Tat und jede daraus folgende Wirkung in der Welt der Erscheinung verantwortlich ist. Dabei leitet sich das Maß seiner Verantwortlichkeit aus seinem Erfassungsvermögen und vor allem aus seinen Motiven ab. 

Jedoch: „Bevor die Seele sehen kann, muss die innere Harmonie erlangt und müssen die irdischen Augen für jede Illusion blind gemacht worden sein.“ H.P.B., Stimme der Stille, S. 16, digital

Der Unterscheidung zwischen Intellekt, angesiedelt im Kama-Manas-Bereich und der Intelligenz, angesiedelt im Buddhi-Manas-Bereich, muss deshalb ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. 

Dabei verdeutlicht die Dualität des Manasprinzips – nämlich höheres Manas = Intelligenz und niederes Manas = Intellekt die Dramatik unseres Zeit. „Während der Intellekt die Oberhand gewinnt und Schlauheit sticht, wird der wahre Edelstein, die Intelligenz, welche immer auch einen Aspekt aus dem übergeordneten buddhischen Glanz widerspiegelt, vernachlässigt." H.P.B., Die Dynamik der psychischen Welt

Die immer gegenwärtigen Gedankenformen aus der Astralwelt* sind richtungweisende Konstanten und bestimmen unser Werden! Wir können durch Gedankenkontrolle die Richtung unseres Werdens beeinflussen.

* s.a. R. Steiner Akashachronik

 

Dabei müssen wir uns ständig entscheiden, welchen Gedanken wir Einlass gewähren! Dahinter stehen natürlich unsere Neigungen, welche es evtl. auch zu überwinden gilt. Der sogenannte „freie Wille“ ist unter Berücksichtigung des Karmagesetzes ja nur insofern frei, als er den „göttlichen Maximen“ entspricht.



"Achte auf deine Gedanken,
denn sie werden zu Worten.
Achte auf deine Worte
denn sie werden zu Handlungen.
Achte auf deine Handlungen,
denn sie werden zur Gewohnheit.
Achte auf deine Gewohnheiten,
denn sie werden zu deinem Charakter.
Achte auf deinen Charakter,
denn er wird zu deinem Schicksal."
Talmud

 

Der Ablauf der Evolution unterteilt sich für jede Rasse, für ihre eigene Zeit und Art, in vier Yugas. Diese Yugas beeinflussen nicht die ganze Menschheit in ein und derselben Weise, da einige Rassen in einem der Yugas sind, während andere sich in einem anderen Zyklus befinden. 

"So befinden sich die Indianer am Ende ihres Steinzeitalters, während die Arier* sich in einem ganz anderen Stadium befinden. Indien und der Westen leben gegenwärtig im Kali-Yuga, besonders hinsichtlich der moralischen und spirituellen Entwicklung.“ 

*  Hier der Hinweis, dass sich die diversen Rassen in unterschiedlichen Evolutionsperioden befinden. Wäre es nicht so, wären wir alle noch auf den Bäumen, weil wir nichts voneinander lernen könnten. Nichts desto trotz stellt lt. GvP derzeit die dunkelhäutige Menschheit die einzig nicht degenerierte Rasse dar. Das Märchen von den reinrassigen Ariern kommt also keinesfalls aus der Ecke ernsthaft studierender Theosophen, obwohl dies von den Gegnern „Theosophischer Lehren“ gerne unterstellt wird. Im Gegenteil, die Vermischung der Völker geht ganz selbstverständlich der Geburt der neuen Wurzelrasse voraus!

Diese 4 Yugas, die von jeder der Sieben Großen Wurzelrassen unserer Erde durchlaufen werden, sind benannt als: 

Satya-yuga, Tretâ-yuga, Dwâpara-yuga und Kali-yuga.

„Das erste dieser Yugas ist langsam im Vergleich zu den anderen. Das gegenwärtige – Kali – ist sehr schnell; seine Bewegung ist genauso beschleunigt wie gewisse astronomische Perioden, die heute über den Mond bekannt, aber nicht völlig ausgearbeitet sind.“  
W.Q. Judge, Das Meer der Theosophie, S. 164/165 

Das Satya-yuga, auch Krita-yuga genannt, ist das Zeitalter der Unschuld, der angeborenen Güte, das Zeitalter, wo Dharma oder die Wahrheit vorherrscht. Das Tretâ-yuga ist das Zeitalter von nur Dreiviertel der Wahrheit, von tretâ - 'drei'. 

Die materiellen Kräfte beginnen da ihren gegensätzlichen Einfluss auszuüben. Das Dwâpara-yuga ist das Zeitalter der zwei Teile oder der einen Hälfte der Wahrheit, von dwâpara - 'zweifach'. Materielle Dunkelheit breitet sich aus und bringt den Niedergang der spirituellen Kräfte mit sich. 

Das Kali-yuga oder das Dunkle Zeitalter ist das Yuga in dem nur ein Teil der Wahrheit vorherrscht, weil der Materialismus und die Unwissenheit mit ihren üblen Verwandten Selbstsucht, Zorn und Gleichgültigkeit die Herzen der Menschen beherrschen. 

Ganz unübersehbar befinden wir uns jetzt also im Kali-Yuga, dem sogenannten Dunklen Zeitalter, in welchem der Geist immer mehr verdunkelt oder verhüllt wird und die Materie immer mehr die Oberhand gewinnt. Dies hängt nicht zuletzt bzw. sogar sehr intensiv mit dem massiven Egoismus und der immer stärker werdenden Gier des Menschen auf allen Gebieten zusammen.

Denn „Die Welt geht schwanger mit den Resultaten intellektueller Aktivität und geistiger Abnahme“  lesen wir in GL I, S. 211. Madame Blavatsky spricht in „Die Dynamik der psychischen Welt“ von „intellektuellen Riesen“ im Gegensatz zu den „spirituellen Zwergen.

Daneben lastet unser atlantisches Erbe so schwer auf uns, das wir zum jetzigen Zeitpunkt, dem Mittelpunkt der fünften Wurzelrasse, in Bezug auf die Entwicklung des physischen Körpers nicht die Stufe erreicht haben, die wir erreicht haben sollten. 

Das Bewusstsein für die „Himmlische Herkunft“ des Menschen ist nicht präsent. Ebenso geht das Gefühl für die Einheit alles Seienden verloren. Der Mensch fühlt sich als „etwas Besonderes“, was er im Hinblick auf seine göttl. Individualität auch ist, die er aber erst einmal evolvieren muss. Zur Zeit findet aber gerade das Gegenteil statt. Wir laufen Gefahr uns im Größenwahn zu verlieren. 

Der Wahn des Sonderseins oder eben der Absonderung vom Ganzen führt unweigerlich zum Größenwahn, wie uns die Geschichte immer wieder zeigt. Dort kann man den Menschen so gut wie nicht mehr erreichen. Die Auswirkungen bekommen wir derzeit alle zu spüren.

Zitat: Bei Eliphas Levi lesen wir: „Geisteskrankheit ist trauriger als der Tod; denn der Tod ist ein Durchgang, während Geisteskrankheit eine Sackgasse ist. Sie ist eine Ohnmacht des Verstandes, den die Urteilskraft verlassen muss, weil der Wille sich im Absurden fixiert hat.“ E. Levi, Einweihungsbrief Nr. 135, S. 201

„Dieses Dunkle Zeitalter begann beim Tode Krishnas um Mitternacht zwischen dem 17. und 18. Februar des Jahres 3102 v. Chr.“ 

J. Tyberg, Sanskritschlüssel, Übers. Ursula Schwarm

Die vier Yugas spielen eine wichtige Rolle im qualitativen Aspekt der Entwicklung einer jeden Wurzelrasse. Die Yuga-Perioden erzählen im Zusammenhang mit der Wurzelrasse aber nur einen Teil der chronologischen Geschichte. 

Die Wurzelrassen, die unserer vorausgingen waren jeweils alle von längerer Dauer als ein Mahâ-yuga*.

* Maha-yuga (großes Zeitalter) = die 4 Yugas, welche zusammen 4.320.000 Erdenjahre ergeben! 

Das Kali-yuga, welches der letzte und vierte der Zyklen ist, ist nur die Mitte einer Rasse. An diesem Punkt erlebt diese bestimmte, zyklische Katastrophen. 

Trotzdem bleibt sie noch weitere vier Zyklen bestehen, während die neue Rasse heranwächst, die ab der Mitte der vorhergehenden geboren wurde. 

Dr. von Purucker schreibt in „The Occult Glossary“: „… eine Wurzelrasse ist von ihrem individuellen Anfang bis zu ihrem individuellen Ende etwa doppelt so lange wie ein zusammengesetztes Yuga. …“ Diese aufeinander folgenden Yugas oder Entwicklungsreihen sind nur eine Widerspiegelung in der Geschichte der menschlichen Rasse dessen, was in größerem Maßstab bei der Entwicklung eines Globus oder eines Planeten vor sich geht. 

Die westlichen Arier, jedes Volk und jeder Stamm, hatten gleich ihren östlichen Brüdern der fünften Rasse ihr Goldenes und ihr Eisernes Zeitalter, ihre Periode verhältnismäßiger Unverantwortlichkeit oder das Satya-Zeitalter der Reinheit, während jetzt verschiedene von ihnen ihr Eisernes Zeitalter, das Kali-Yuga erreicht haben, ein Zeitalter schwarz mit Horror. 

Und es scheint ganz so, dass es aus dem Ohnmachts-/Allmachtsprinzip, wie es in Horst Eberhard Richters „Gotteskomplex“ beschrieben ist, keinen Ausweg gibt. 

„Die sieben Schlüssel der Mysteriensprache befanden sich jedoch immer in der Verwahrung der höchsten unter den initiierten Hierophanten des  Altertums; und nur der teilweise Gebrauch einiger weniger von diesen sieben ging durch den Verrat einiger frühzeitigen Kirchenväter - ehemaliger Tempelinitiierter - in die Hände der neuen Sekte der Nazarener über. Einige der ersten Päpste waren Initiierte, die letzten Bruchstücke ihrer Wissenschaft aber sind jetzt in die Hände der Jesuiten gefallen, welche sie in ein System von Zauberei verwandelt haben“. Geheimlehre I, S. 330

Diese Kritik finden wir in noch schärferer Sprache in den Meisterbriefen II, S. 236: „Sie haben uns einmal Jesuiten genannt … Wie ich schon einmal gesagt habe, sie (die Jesuiten) wissen, dass das, was sie lehren, eine Lüge ist; wir wissen, dass das, was wir mitteilen, Wahrheit ist, die einzige Wahrheit und nichts als die Wahrheit …
… sie opfern die ganze Menschheit als ein Schlachtopfer für ihre Gesellschaft, jenes unersättliche Ungeheuer, das sich von Hirn und Mark der Menschheit nährt und an jedem Punkt des Fleisches, den es berührt, ein unheilbares Krebsgeschwür entwickelt.“ Etc etc.  

"Bis dahin sind die einzigen Linderungsmittel Vereinigung und Harmonie – eine Bruderschaft in actu und Altruismus nicht nur als ein Lippenbekenntnis“. W.Q. Judge, Das Meer der Theosophie 

„So bleibt die Tatsache, dass das einzige Wissen, dem wir jemals trauen können, nicht in dem liegt, was wir fühlen und sehen können, sondern in dem, was von innen zu uns kommt: Darüber hinaus wissen wir nichts. Über andere Dinge haben wir Vorstellungen, oder wir legen die Vorstellungen anderer Menschen aus.“ G.v.P., Wind des Geistes, S. 76

Das Drama des Werdens Teil II


"Niemals, will ich nach persönlicher, 
individueller Erlösung begehren, noch sie annehmen.
Niemals will ich allein in den endlichen Frieden eintreten. 
Aber immer und überall will ich für die Erlösung jeder Kreatur
überall in der Welt leben und arbeiten."
 W. Q. Judge - Studien Bhagavad-Gita

"Verneigen wir uns vor einer großen Seele, welche alles erduldet, alles erträgt, alles erleidet, um zum Wohle aller Wesen wirken zu können."

"Selbstlosigkeit, Selbstvergessenheit und Selbstkontrolle, ohne irgendwelche  Einschränkungen,  das ist der Pfad des wahren Okkultismus."

"Wir nennen diese Großen auch Lehrer, weil sie es auf sich genommen haben, uns Nachzüglern erhebende und inspirierende Gedanken einzuflößen und uns zu unterweisen. Und, weil sie die Tugend des Selbstvergessens in den Herzen der  Menschen erwecken!"
                                                                
"Niemals war der Orden dieser Bruderschaft 
ohne Vertreter hier auf dieser Erde"
nach G.v.P.

Doch: „Der gegenwärtige Mensch sucht das Vergnügen ohne das Glück, das Glück ohne das Wissen und das Wissen ohne die Weisheit. Die antike Welt gab nicht zu, dass diese Dinge trennbar seien. Auf allen Gebieten trug sie der dreifachen Natur der Menschheit Rechnung. Die Initiation war eine allmähliche Schulung des ganzen menschlichen Wesens bis hinauf zu den schwindelerregenden Gipfeln des Geistes, von wo aus man das Leben beherrschen kann. Um die Beherrschung zu erlangen, sagten die Weisen von damals, braucht der Mensch eine totale Umschmelzung seines ganzen physischen, moralischen und intellektuellen Wesens. Diese Umschmelzung ist aber nur möglich durch die gleichzeitige Betätigung des Willens, der Intuition, und der Vernunft“. Schuré, Die großen Eingeweihten, 12. Auflage, 1956, S.118 

Alle Energien in Gedanken, Worten und Taten, die der einzelne Mensch noch nicht durch Umwandlung – genauer gesagt durch die Ausrichtung seiner Motivation - in die Harmonie des Universalgemütes bringen konnte, stellen sich ihm immer wieder als unüberwindliche Barrieren in den Weg, bis er die Lektion gelernt hat. Es geht immer um die Wandlung!


„Siehe, ich mache alles neu, sprach der,
der auf dem Thron saß“.
Offb. Joh. Kap. 21,5

 

… und wir wissen ja, dass die Vorsehung nichts anderes ist, als das gute und unwandelbare Gesetz, dem selbst die Götter unterliegen und welches immer zu unseren Gunsten arbeitet, auch wenn wir es anders wahrnehmen. Die Götter werden somit selbst das Gesetz.

 

Vertrauen wir also getrost darauf, dass unsere höhere Natur über die Gehversuche der niederen Sterblichkeit wacht! Denn die (innere) Gottheit führt den Menschen, während der Mensch sich verführt. Das Primat unseres Lebens ist ja unser ewiges Sein (SAT)! Somit wäre sowohl eigennütziges Handeln und die Erwartung von Belohnung für gute Taten kontraproduktiv für unsere innewohnende göttliche Wirklichkeit.

Weisheit, Mitfühlen und Charakterstärke sind die drei Siege, die ein Mensch durch die zeitalterlangen Zyklen zu erringen hat. So lehrten schon die alten Druiden. Sie lehrten auch, dass diese Siege nur durch Ausübung der freien Wahl erworben werden können.

Dabei geht es bei „PLOTIN  um die unabdingbare Reinigung der Seele, welche für die Schau des EINEN nötig ist und welche Plotin mit der Arbeit des Bildhauers an seinem Werk vergleicht. Auf ihn geht der bei MIRANDOLA* wirkmächtig vertretene Gedanke zurück, der Mensch sei das Werk seiner selbst und gebe sich durch freie Selbstbildung die «Form», in der er zu leben wünscht. Vgl. HWPh Bd. 12, S. 548 

* Giovanni Pico (Conte) della Mirandola (* 24. Februar 1463 in Mirandola in der heutigen Region Emilia-Romagna; † 17. November 1494 in Florenz) war ein italienischer Philosoph der Renaissance. Bekannt ist er heute vor allem durch seine Rede Über die Würde des Menschen, in der er die Frage nach dem Wesen des Menschen und seiner Stellung in der Welt stellt und die Willensfreiheit als charakteristisches Merkmal des Menschen hervorhebt.

 

Unser Denken und Tun wird ja in jedem Augenblick vom Willen geleitet, der unserem momentanen individuellen Entwicklungsgrade und der diesem Grade adäquaten Einsichtsfähigkeit entspricht. In den Meisterbriefen ist sogar vom heiligen, freien Willen die Rede! Ja, denn in dieser Freiheit ist die Liebe, die loslassen kann.

 

In diesem liebenden Loslassen reift nach und nach die Qualität der Unpersönlichkeit in uns. Wir lassen dann diese gewichtige Persönlichkeit, die Persona, den Schauspieler ziehen und widmen uns immer mehr den wirklich wichtigen Aufgaben, welche schon längst an unsere Türe klopfen.

Ausgehend von der göttlichen Ordnung sollte deshalb jede Handlungsmotivation auch das Helfen aus tiefster Barmherzigkeit und Nächstenliebe im Augenblick der Notwendigkeit einschließen! 

 

"Tritt aus dem Sonnenlicht in den Schatten,
um mehr Platz für andere zu schaffen. 
Tränen, die den ausgetrockneten Boden des Leids 
und der Sorge bewässern, 
bringen die Blüten und Früchte
 karmischer Wiedervergeltung hervor."
H.P.B., Die Stimme der Stille, 
Pasadena, 1994, S. 49 

 

Diese wachsende Weitsicht für die Anliegen unserer Mitmenschen führt uns zu Konstellationen, welche uns letztendlich noch mehr in die innere Pflicht nehmen.  Dabei erreichen wir einen Punkt unserer inneren Konstitution, von welchem aus keine Umkehr mehr möglich ist; d.h. in aller Freiheit auch nicht gewollt wird. 

 

Diese „reife“ Entscheidung führt uns dann zum Beginn des erhabenen Weges, der von den „Vielen“ begehrt, aber derzeit leider nur von „Wenigen“ erreicht wird, weswegen H.P.B.´s  „Stimme der Stille“ den „Wenigen gewidmet“ ist. 

 


Ganz allgemein sind ja die Menschenrechte nicht denkbar 
ohne die Menschenpflicht!

 

Mit wachsender Einsicht stellen wir die Pflicht sogar unseren Rechten voran. Bei noch größerer Reife stellen wir sogar unsere Rechte ganz hinten an und fragen uns eher, wozu wir kein Recht haben nach dem Vorbild unserer Lehrer!

 

Alle Dinge tragen zu allen Dingen bei!
Nichts kann gesondert für sich auf Dauer eine Existenz haben!

Ein gefahrloses Hineinwachsen und Verstehen bezüglich dessen, was die Welten im innersten zusammenhält basiert auf dem Wissen, dass  wir tatsächlich für all unser Denken und Tun Verantwortung übernehmen müssen. Diese individuelle Entfaltung jedes Einzelnen muss durch sein eigenes höheres Manas, also seine eigene Intelligenz, kontrolliert werden.

Karma kontrolliert die Evolution jeder einzelnen Individualität, was den Aufstieg oder Fall einer ganzen Gruppe, Bevölkerung etc. bedeuten kann. Deswegen trägt jeder Einzelne Verantwortung in seinem Denken und Tun für die Gemeinschaft im Großen wie im Kleinen. 

Eine sehr folgenreiche Tatsache,
was die sich daraus ergebenden
karmischen Ketten betrifft.

 

Denn „eine feine Kette zahlloser Ringe verbindet die nächsten und fernsten Dinge; der Blick liest Omen, wohin er auch fällt. Die Rose spricht alle Sprachen der Welt; und durch die Spirale der Formen auf Erden, windet der Wurm sich, zum Menschen zu werden.“ Emerson: Natur

 

"Plutarch sagt hierzu: Eine Idee ist ein unkörperliches Wesen, welches an sich selbst kein Dasein hat, aber dem gestaltlosen Stoffe Figur und Form gibt, und die Ursache der Offenbarung wird."  GL  I, S. 683

 

Unser Denken und das daraus resultierende Tun wirkt sich also zuverlässig in der Dualität der Manifestation aus und König Salomon behauptet, dass nichts Neues unter der Sonne geschieht; (Prediger Salomon Kap. 1, 9) Ja, es existiert noch nicht einmal ein Gedanke, der nicht schon gedacht wurde. 

 

„Der ganze Kosmos wird von einer nahezu endlosen Reihe von Hierarchien fühlender Wesen geleitet, gelenkt und belebt, von denen jedes eine Sendung zu erfüllen hat, und welche – einerlei, ob wir ihnen den einen oder den anderen Namen geben, ob wir sie Dhyân Chohans oder Engel nennen – „Sendboten“ sind bloß in dem Sinne, dass sie die Ausführer der karmischen und kosmischen Gesetze sind. 

Sie sind in ihren einzelnen Abstufungen von Bewusstsein und Intelligenz unendlich verschieden; und sie alle reine Geister zu nennen, ohne irgendwelche irdische Beimischung, „woran die Zeit zu nagen pflegt“, heißt bloß einer poetischen Phantasie huldigen. 

Denn jedes von diesen Wesen war entweder ein Mensch oder bereitet sich vor, einer zu werden, wenn nicht in dem gegenwärtigen, so in einem vergangenen oder zukünftigen Manvantara.“ GL I, S. 295

Letztlich führt ja alle Evolution über das Menschenreich und wir lernen nicht zuletzt aus der Quantenphilosophie (Ulrich Warnke), dass Information und Energie über den Transformator des menschlichen Geistes, die Wirklichkeit schafft! In der theosophischen Nomenklatur heißt diese Transformation des Geistes in den Stoff Kryashakti.

Die Quantenphilosophie weist deshalb im „Meer aller Möglichkeiten“ (Warnke, 
Quantenphilosophie und Spiritualität,  S. 153) darauf hin, „dass Gefühle … hierarchisch über der Materie stehen und über die Neurotransmitter* modulieren. Die modulierte Materie schafft wiederum neue Konstellationen, damit weitere Information aus dem Geistfeld herausgelöst und neue Gefühle entstehen können. So bedingt tatsächlich eines das andere, und alles ist nur mithilfe der Materiekonstruktion Mensch möglich.“ 
* Neurotransmitter (von altgriechisch νεῦρον neuron ‚Sehne‘, ‚Nerv‘ und lateinisch transmittere ‚hinüber schicken‘, ‚übertragen‘) sind Botenstoffe, die an chemischen Synapsen die Erregung von einer Nervenzelle auf andere Zellen übertragen (synaptische Transmission).

Um uns aber über unsere Kräfte und deren sinnvollen Einsatz bzw. ihren Missbrauch klar zu werden, müssen wir Bezug nehmen auf Fohat*, von welchem Frau Blavatsky behauptet, dass es kein einziges Wort gibt, das als äquivalentes Wort geeignet wäre. Und doch wird Fohat als „einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Charakter in der esoterischen Kosmogonie“ angesehen. GL I, S. 134
* der hl. Geist, kosmisches Leben, Vitalität


… denn „Fohat ist die „Brücke“, mittels derer die im göttlichen Gedanken existierenden Ideen der kosmischen Substanz als die Naturgesetze eingeprägt werden. Fohat ist somit die dynamische Energie der kosmischen Ideation; oder von der anderen Seite betrachtet, ist es das intelligente Medium, die lenkende Kraft in jeder Offenbarung, der durch die Dhyan-Chohans (von der christlichen Theologie Erzengel, Seraphim etc. etc. genannt), die Bildner der sichtbaren Welt, übertragene und geoffenbarte göttliche Gedanke“. GL I, S. 44

Wiederum ist Fohat mit Mahat verbunden. Er ist die Reflexion des Universalen Gedankens, die Synthese der „Sieben“ und die Intelligenz der sieben schöpferischen Erbauer oder – wie wir sie nennen – der Kosmokratoren. So werden Sie verstehen, dass Leben und Elektritzität eines sind. Sie sagen, Leben ist Elektrizität; und wenn es so ist, dann ist das Eine Leben die Essenz und die Wurzel aller elektrischen und magnetischen Phänomene auf unserer manifestierten Ebene“. BCW X/354

„Fohat ist also eng verwandt mit dem „Einen Leben“. Aus dem Unbekannten Einen, der unendlichen Totalität, emaniert der geoffenbarte Eine, oder die periodische manvantarische Gottheit; und diese ist das Universalgemüt, welches, getrennt von seinem Ursprungsquell, der Demiurg oder schöpferische Logos der westlichen Kabbalisten, und der viergesichtige Brahma der Hindureligion ist. In seiner Gesamtheit in der esoterischen Lehre vom Standpunkt des geoffenbarten göttlichen Gedankens betrachtet, repräsentiert er die Scharen der höheren schöpferischen Dhyan Chohans“. GL I, S. 135   

Somit kommt wiederum die schon erwähnte Gedankenkontrolle ins Spiel, da der göttliche Gedanke sowohl für persönliche als auch unpersönliche, d.h. altruistische Ziele, eingesetzt werden kann.

Das Zauberwort heißt also „Unpersönlichkeit“, um uns für höherwertige Aufgaben würdig zu erweisen. Denn „die Krone des Siegers ist nur für den, der sich würdig erweist“. G.v.P., Würdigkeit ist der einzige Prüfstein!; Meisterbriefe III, S. 56

Warum? Das höhere Wissen und die Weisheit der Zeitalter ist im Bewusstsein eines selbstsüchtigen Wesens für dessen Mitmenschen und vor allem für ihn selbst eine große Gefahr. Beispiele hierfür gibt es im Laufe der Jahrhunderte genug.

Oft werden Persönlichkeiten, welche ihren Intellekt, ihr Wissen und ihre Macht missbrauchen und somit viel Leid in die Welt tragen, als Teufel bezeichnet. Hierfür bietet Eliphas Levi eine interessante Definition:

Der „alte Drache“ und Satan, die jetzt einzeln und zusammengefasst das Symbol von, und der theologische Ausdruck für die „Gefallenen Engel“ geworden sind, sind so weder in der ursprünglichen Kabbalah (dem chaldäischen Buch der Zahlen) noch in der modernen beschrieben. Denn, der gelehrteste, wenn nicht der größte der modernen Kabbalisten, nämlich Eliphas Levi, beschreibt den Satan mit folgenden glühenden Ausdrücken:
Das ist jener Engel, der stolz genug war, sich selbst für Gott zu halten; tapfer genug, seine Unabhängigkeit um den Preis ewiger Leiden und Qualen zu erkaufen; schön genug, sich selbst im vollen göttlichen Licht angebetet zu haben; stark genug, noch immer in Finsternis inmitten von Pein zu herrschen und sich selbst einen Thron aus seinem unauslöschlichen Scheiterhaufen gemacht zu haben. Das ist der Satan des republikanischen und ketzerischen Milton … der Fürst der Anarchie, bedient von einer Hierarchie reiner Geister(!!) …

Aber Eliphas Levi war noch zu dienstbar seinen römisch-katholischen Autoritäten – man kann hinzufügen, zu jesuitisch – um zu gestehen, dass dieser Teufel die Menschheit war, und niemals irgend welches Dasein auf Erden außerhalb jener Menschheit gehabt hat. Definition Teufel - Levi zitiert aus GL II, S. 533


„Der Teufel ist ein Lügner, wie sein Vater." Joh. 8,44. "Nun wissen wir, was der Teufel im Grunde ist. Er ist der Geist der Verblendung und des Wahnwitzes. Wie könnte ein in das wahre Licht Eingeweihter ihn da noch fürchten?" Brief Nr. 81, S. 133. "Gott ist das Nicht-Sein, das ist; der Teufel ist das Sein, das nicht ist." Brief Nr. 82, S. 134. "Wie lange noch wird dieser entthronte König die Anhänger der Unwissenschaft in seinem Gefolge führen, oder vielmehr  wie lange wird die Unwissenheit der Menschen diese absurde Schöpfung der Lüge fortbestehen lassen?“ E. Levi, Brief Nr. 82, S. 135. Der wahre Teufel ist das Tier oder der menschliche Unverstand, der unrecht hat und immer unrecht haben wird, wenn er mit dem Geist rechten wollte.

Es handelt sich also letztlich um die Wahrnehmung des sich einlassen müssens in den mühevollen Werdegang des Lernens und die damit verbundene Pflicht, unseren jeweiligen Seinsbedingungen entsprechend. Ohne Überwindung des Wahnes des Sonderseins kommen wir nie zu einer einigermaßen objektiven Wahrheit, geschweige denn zur Wirklichkeit.

Das richtige Wollen muss man erst einmal wollen!

 

Und was hat ein hochbegabter Intellekt ohne Wissen um die Gesetze des Universums bzw. die allumfassenden Naturgesetze und ohne eigentliche Rückbindung im Sinne von religare gewonnen? Er lebt in der Gefahr, ständig künstliche Brücken bauen zu müssen, die aber beim Überqueren aufgrund fehlender stabiler Konstruktion immer wieder einstürzen. Obendrein fühlt sich dieser Zeitgenosse dann noch ungerecht behandelt, weil ihm die Kausalität der Ereignisse nicht erklärbar erscheint. 

Madame Blavatsky unterscheidet in ihrer „Dynamik der psychischen Welt“  zwischen intellektuellen Riesen und spirituellen Zwergen!

Der Intellekt wird ja vom Ego gesteuert, die Intelligenz von der menschlichen Intuition, welche das unmittelbare und ganzheitliche Erkennen oder Erfahren von realen Sachverhalten, welche Erkenntnisse einleiten oder begleiten kann darstellt und im buddhi-manasischen Bereich angesiedelt ist.

 

Wenn es also einen Königsweg gibt, dann ist es der Weg der unpersönlichen Dienstleistung. Viele Große der Menschheitsfamilie sind ihn schon gegangen und fordern uns zur Nachfolge auf. 

Denken wir dabei an die Jesusgeschichte, sollten wir nicht außer acht lassen, dass selbstverständlich auch unsere Heilige Schrift in Analogien lehrt. Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig! Eine Herausforderung unserer Unterscheidungskraft!


 „Theosophie ist nichts für Denkfaule“

H.P.B.

 

Es gibt für jeden von uns die Möglichkeit der augenblicklichen Umkehr, des griechischen Metanoia, welches aus einem Saulus einen Paulus macht. Dieses Ereignis ist das Höchste und Erstrebenswerteste, das jedem Menschen als sein ureigenstes Geburtsrecht zusteht, denn es handelt sich dabei um den eingeborenen Sohn, um die Geburt des inneren Christos!

Auf dem Weg zum Beginn etlicher Schulungen und Prüfungen sind jedoch vielfache Hürden zu überwinden. 

Übergänge sind immer schwierig, aber auch eine große Chance; wir wissen schon etwas aber die Wahrnehmungen sind noch ungenau. Hier tritt der gereifte und innerlich gewachsene und feste Glaube – der sich nach und nach durch die ständige Selbstanalyse in wahres Wissen verwandelt - hervor und meistert im wahrsten Sinne des Wortes die Situation, indem er nicht rastet noch ruht, bist die nächste Stufe erreicht ist, auf welcher es sich dann aber zu behaupten gilt! 

Dieser Läuterungsprozess, welcher in den Ruhephasen (Devachan) quasi nachbearbeitet wird ist eine unbedingte Notwendigkeit und im Hinblick auf die Einsichten vor der Geburt und während des Sterbeprozesses ein großer Segen.

„Und wenn auch am Ende aller Dinge* – sagen wir in einigen Millionen von Millionen von Jahren, der Geist in seiner reinen unpersönlichen Nichtexistenz zu ruhen haben wird, als das EINE oder Absolute, so muss der zyklische Vorgang dennoch etwas wert sein, da jedes geläuterte Ego in den langen Zwischenzeiten zwischen dem objektiven Dasein auf den Planeten die Möglichkeit hat, als ein Dhyan Chohan (in der christlichen Terminologie Erzengel) zu existieren – vom niedrigsten „Devachanee“ bis zum höchsten Planetengeist – und die Früchte seiner gesamten Leben zu genießen.

* Prakritika-Pralaya (universale Auflösung)

Aber was ist reiner und unpersönlicher „Geist“ per se? … "Er wird nur in Verbindung mit Materie zu etwas, denn die Materie ist unbegrenzt und unzerstörbar, aber nicht-existent ohne den Geist, der in der Materie Leben ist. Getrennt von Materie wird er die absolute Verneinung von Leben und Sein, aber die Materie ist untrennbar von ihm.“ Meisterbriefe III,  S. 91

Das Drama des Werdens Teil III

Das Ziel der Evolution – bewusstes Sein

Stufen


"Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen  jung entgegen senden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden …
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!"
Hermann Hesse, 1941 nach langer Krankheit

 

"Per se ist Geist eine unbewusste, negative Abstraktion.
Seine Reinheit wohnt ihm inne und ist nicht durch Verdienst erworben;  um  zum  höchsten  Dhyan  Chohan  zu  werden,
ist  es  daher  – wie  bereits  gezeigt  wurde  –
für  jedes  Ego  notwendig,
als  Mensch  volles  Selbstbewusstsein zu erlangen,
d. h. bewusstes Sein,
das für uns im Menschen synthetisiert  wird."
GL I, Stanze VI Nr. 5. Seite 256

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden?

Warum? Weil alle Evolution über das Menschenreich geht und keine Individualität im Nichts verschwindet. „Denn der innere Mensch ist eine Monade, ein flammender Strahl aus der Sonnengottheit“ (G.v.P: Tod, was kommt danach, S. 64) Und das Ziel der Evolution ist immerwährendes bewusstes Sein, welches uns von Ewigkeit zu Ewigkeit zu den Göttern und darüber hinaus führt. 
„Die Monade ist eine Einheit, das Eine. In der Esoterischen Philosophie kann sie auch die vereinigte Triade Atma-Buddhi-Manas oder die Duade Atma-Buddhi bedeuten. Sie ist der unsterbliche Teil des Menschen für ein Manvantara“. H.P.B. Lexikon der Geheimlehren, S. 257 

Um zu einer bewussten Lebensführung zu gelangen, sind natürlich etliche Prüfungen zu bestehen, welche das Leben uns bereitet und sich zu diesem Zwecke an dem individuellen Karma jedes einzelnen orientiert. Es ist also tatsächlich der stille, schmale und entbehrungsreiche Pfad, der zum Tor der Einweihung führt und die Akzeptanz der uns gestellten Aufgaben beinhaltet. Dabei sind jedoch gängige klerikale Vorstellungen zu verwerfen, Denn: „An eine Ewigkeit von Seligkeit oder Pein zu glauben und sie in Gegenrechnung zu bringen zu irgendwelchen denkbaren verdienstvollen oder tadelnswerten Taten eines Wesens, das ein Jahrhundert oder selbst ein Jahrtausend im Fleisch gelebt haben mag, kann sich nur jemand vorstellen, der noch nie die furchtbare Wirklichkeit des Wortes Ewigkeit erfasst hat noch über das Gesetz vollkommener Gerechtigkeit und vollkommenen Gleichgewichtes nachgedacht hat, das die Natur durchdringt.“ Meisterbrief Nr. 12 (chronologisch Nr. 47 A) S. 31

So sind auf dem Wege zur Meisterschaft die Ewigkeiten nur mit einem gefestigten Willen und einem unerschrockenem Herzen zu durchschreiten. 

Das der Planetenkette zuzuordnende Siebenergesetz gilt jedoch entsprechend dem hermetischen Grundsatz: „Wie oben, so unten“ natürlich auch in den kleinsten Bereichen in uns und außerhalb von uns. Von daher muss klar sein, dass es sich hierbei um mehrere Ebenen bzw. Schleier handelt, die wir mit reinem Motiv und unablässiger Anstrengung überwinden müssen. 

Die Frage lautet nicht: Was werden wir tun? sondern: Wie werden wir es tun? In welchem Geiste werden wir handeln? Versöhnen wir uns mit unseren eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten, denn diese sind es, welche im wahrsten Sinne des Wortes die Not wenden. Zur Schulung unserer Unterscheidungskraft sind sie unabdingbar; immer jedoch unter der Voraussetzung eines aufgeschlossenen, selbstkritischen Denkens! Jedes Versagen ist ein Erfolg, solange wir in unserem ernsthaften Streben nicht nachlassen. 

„Denn nicht mehr zu streben bedeutet Tod.“ (G.v.P.), weil wir uns damit von der geistigen Quelle abtrennen, welche unser berechtigtes Erbe ist.

Sich seine Unvernunft vergegenwärtigen, heißt der Entfaltung der Vernunft entgegen zu schreiten. Das Bewusstsein der eigenen Unvollkommenheit verrät, dass die Seele am Leben ist. Solange sie lebt, kann sie Besserung erfahren, genau so wie ein lebender Körper noch heilen kann, wenn er verwundet oder gar arg zugerichtet worden ist. Durch die Krise der Zerknirschung wird das menschliche Wesen zu Höherem empor geführt. Es ist eine allgemeine Erfahrung, dass Wahrheitssucher von Zweifeln und Schwierigkeiten überfallen werden, selbst dann, wenn sie bereits auf der Schwelle des  Lichtes stehen. Wenn das Licht in der Seele irgendeines Menschen zu erstrahlen beginnt, fordert es die Finsternis zum Widerstande heraus.“ Bhagavad-Gita, Kommentar von Rhada-Krishnan, Holle-Verlag, 1958, S. 114

Nun trifft der Mensch oftmals auf Zonen, die nicht zweifelsfrei zuzuordnen sind. Er befindet sich für eine kleine Weile wohl im sogenannten Niemandsland, das er durchschreiten muss. 

Im Niemandsland, zwischen den Grenzen von Wachen und Schlafen, zwischen Ich und Nicht-Ich … wurzelt die Kraft des Menschen zur Überschreitung der Grenzen seiner sogenannten Wirklichkeit, der Transzendenz. Die Entfaltung der menschlichen Seele aber kennt keine Grenzen von Raum und Zeit. In jedem Augenblick spielt sich der Kampf zwischen der finsteren Unwissenheit seines egozentrischen Ichs und der mentalen Anbindung an die geistige Natur in der Seele des Menschen ab. 
Mit jedem kleinen Sieg jedoch kommt er seinem eigentlichen Sinn (SEIN) und der damit verbundenen Pflicht näher!
 
In einer theosophischen Zeitschrift formulierte ein Leser folgende Frage: „Ich möchte gern ein Mahatma werden. Was kann ich dafür tun?“ Die Antwort könnte etwa so ausfallen: Zunächst muss man sich selbst eine Frage ganz ehrlich beantworten: „Warum möchte ich Mahatma werden?“ Wenn die Antwort im Sinne der theosophischen Lehre ganz sicher lautet: „Um Diener aller Wesen zu werden unter dem Verzicht auf Glückseligkeiten für Äonen, also eine unvorstellbare Dauer des Gleichmuts und des Gehorsams gegenüber dem Einen Gesetz, kommt unweigerlich der Augenblick, in dem man seinem eigenen höheren Selbst gegenüber das Gelübde ablegt. 

Dies geschieht in aller Heiligkeit und in aller Stille; vielleicht sogar vollkommen überraschend für den Probanden. Denn es ist tatsächlich das höhere Selbst, welches diese Entscheidung trifft. Niemals wird man zu irgend jemandem darüber sprechen.

Danach bestimmen 2 Eigenschaften das Leben des Schüleranwärters; nämlich beständige Aufmerksamkeit und die Treue zur PFLICHT. 

Die Aufmerksamkeit betrifft nicht nur das Überwachen und Revidieren der eigenen Gedanken, Worte und Taten, sondern muss auch auf die vielen Wegweiser des täglichen Lebens gerichtet sein. Denn der Meister, der mit dem inneren Meister korrespondiert, hat längst ein Auge auf uns geworfen und hilft uns auf den Pfad, auf welchem er seit Ewigkeiten auf uns wartet. 

Zwar trifft es zu, dass wir ohne eigenes Wollen absolut nichts erreichen könnten. Als Schüleranwärter der Theosophie sind wir jedoch gehalten, unser eigenes – meist egoistisch gefärbtes – Wollen mit dem göttlichen Wollen in Einklang zu bringen. Da dies schwierig ist, ist es besser, nichts zu wollen, das nicht der reinen Intuition entspringt. 

Eine weitere Hilfe kann die Selbstprüfung darstellen, indem man sich selbst nach seinem Motiv fragt und darüber hinaus bedenkt, was wohl der Meister dazu sagen würde, denn kein Mensch ist ohne Führung, unabhängig davon, ob er den Führer bereits kennt oder noch nicht kennt. 

Unempfindlich geworden für Lob und Faszination und ausgestattet mit dem Schwerte der Unterscheidungskraft schreitet der Schüler vorwärts.

Frau Blavatsky allerdings warnt (GL III, S. 90) „Wer in sich nicht das Herz eines Löwen fühlt, um das wilde Gebell zu verachten, und die Seele einer Taube, um den armen unwissenden Toren zu vergeben, der möge die Heilige Wissenschaft des Okkultismus aufgeben.“ 

Für den Probanden sind zunächst Ausdauer und Bescheidenheit die erstrebenswertesten Eigenschaften. Deswegen empfiehlt Madame Blavatsky in ihrer Stimmer der Stille folgendes: „Habe Ausdauer wie einer, der für immer ausharrt. Deine Schatten leben und vergehen. Das, was in dir für immer leben wird, das, was in dir weiß, weil es Wissen ist, ist nicht von flüchtigem Leben: es ist der Mensch, der war, der ist und sein wird, für den die Stunde niemals schlägt. Kannst du nicht Sonne sein, sei ein bescheidener Planet. Ja, falls es dir versagt ist, gleich der Mittagssonne auf die schneebedeckten Berggipfel ewiger Reinheit herabzubrennen, dann wähle, o Neophyt*, eine bescheidenere Bahn."

* Ein Neophyt ist ein Novize, ein Anwärter oder Kandidat für die Mysterien

Studierende der alten Weisheitslehre wissen, dass alle Geschehnisse auf natürlicher Basis stattfinden. „Der Schüler der Theosophie glaubt weder an göttliche noch an satanische Wunder.“ GL III, S. 109

Die theosophische Lehre verweist explizit auf die Evolution des bereits Involvierten; das bedeutet, dass die unendlichen Möglichkeiten der Vervollkommnung im Kleinsten bereits vorhanden sind. 

Wenn wir also außergewöhnlichen Menschen begegnen oder uns in außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen befinden, müssen wir immer nach der Essenz dieser Begegnungen und Erlebnisse fragen; denn sie tragen geheime Botschaften zu dem betroffenen Menschen. Die persönliche Ausstrahlung des Botschafters und die evtl. besonderen Umstände einer Botschaft sollten nicht überbewertet werden. Alles Geschehen basiert auf natürlicher Grundlage, unabhängig davon, ob wir von diesen Vorgängen in der Natur Kenntnis besitzen oder nicht.

Vorbilder sind gut und wichtig, aber nur als Ansporn; denn keiner grundlegenden Erfahrung und keiner Disziplin kann auf dem Wege zur Meisterschaft ausgewichen werden. 

Wie wir wissen, unterteilt sich der Initiationspfad wiederum in 2 Wege, nämlich den Weg der Liebe und des Mitleids und den Weg der Selbsterlösung. Wir sprechen hier von den Buddhas des Mitleids im Gegensatz zum Pratyeka-Buddha. 

Entscheiden wir uns dennoch für die Augenlehre, so halten wir die ganze Evolution auf, denn jedes egoische Wollen in Gedanken, Worten und Taten stört ganz empfindlich die kosmische Harmonie. Auch hier bleiben die karmischen Wirkungen nicht aus. „Es kommt die Zeit, wo der Buddha des Mitleids, obgleich er allem entsagt hat, weit über den Zustand hinausgelangt ist, den der Pratyeka-Buddha erreicht hat. Und wenn der Pratyeka-Buddha nach einer bestimmten Zeit aus dem nirvanischen Zustand heraustritt, um seine evolutionäre Reise erneut anzutreten, dann wird er sich weit hinter dem Buddha des Mitleids finden“. G.v.P., Goldene Regeln der Esoterik 

Der Zustand des Nichtseins durch den Tod aber führt uns zunächst zum unbewussten Sein, weil es für den Durchschnittsmenschen vollkommene Maya ist. 

Dieser Zustand der vollkommenen Maya ist für das reinkarnierende Ego – also das „höhere Manas“ (Buddhi-Manas) bzw. die „höhere menschliche Seele“ – unserem augenblicklichen Evolutionszustand entsprechend unbedingt erforderlich.

Würde diese Seele nicht ausruhen und in ihrer vollkommenen Maya ungestörtes Glück, ungestörte Wonne erfahren können, würde sie ihre vorgeschriebene Reise durch alle Äonen* dieses Manvantaras nicht fortsetzen können. Und für den Bewohner des Devachan sind seine Erlebnisse sogar hundert mal intensiver als auf dem physischen Plan. 

* Aion, indogerm.Wort, griech. aiôn, lat. aevum, altgerm ewa (= Ewigkeit).

Denn „es ist ein Zustand intensiver Selbstsucht, währenddessen das Ego den Lohn für Selbstlosigkeit auf Erden erntet. Kein Schmerz, kein Gram und nicht einmal der Schatten einer Sorge kommt, um den hellen Himmel seines ungetrübten Glücks zu verdüstern…“  Mahatmabriefe, Band II, S. 142, auszugsweise

Mit fortschreitender Schulung und Disziplin schwindet diese Selbstbezogenheit immer mehr und die Abstände des Aufenthaltes im Devachan verkürzen sich. Unter den Älteren Brüdern gibt es sogar die Möglichkeit, Devachan vollkommen zu umgehen, um schneller wieder für die Menschheit wirken zu können.

Hat ein Mensch tatsächlich seine Leidenschaften und Sinne überwunden, benötigt er den Aufenthalt im Devachan, einem Bewusstseinszustand vollkommener Illusion, nicht mehr und kann fortan als Meister des Lebens der Menschheit dienen.

Das mag für uns Schüleranwärter unvorstellbar sein; ist aber ab einem gewissen Entwicklungszustand unausweichlich. Die Evolution verlangt uns dieses Streben ab. Als Wanderer zwischen den Welten sind wir sozusagen zum immerwährenden Aufstieg verpflichtet!

Nach der Grundlehre der esoterischen Philosophie gibt es keine Privilegien und besonderen Gaben, außer jenen, die das menschliche Ego durch persönliche Anstrengung und Verdienst während einer langen Reihe von und Reinkarnationen gewonnen hat. 

Und es ist unser eigener innerer Gott, der uns zur erneuten Verkörperung veranlasst, sobald die erworbenen Erfahrungen verarbeitet wurden. Er ist es auch, der uns die vollkommene Gerechtigkeit der bevorstehenden Inkarnation zeigt.

Traudl Elsas, Nürnberg

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